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VORWORT
Der unvcrgänglidien kompositorischen Bedeutung François Gouperins, die in der Eigenart seines Klavierstils beruht, ist seine „Kunst das Clavecin zu spielen" voll ebenbürtig; mit ihr hat er der musikalischen Welt das erste eigentliche Klavierlehrbudi geschenkt.
Die Übersetzung erfüllt heute nach mehr als 200 Jahren Couperins eigenen Wunsch: * „Ich wünschte wohl, jemand gäbe sich die Mühe, uns zum Nutzen der Ausländer zu übersetzen und
ermöglichte ihnen, so über die Vortrefflichkeit unserer Instrumentalmusik selbst zu urteilen."
Über ein Jahr hat er an diesem Werk gearbeitet, um es 1716 erscheinen zu lassen,- 1717 gibt er eine neue ver= besserte Auflage heraus mit der Aufforderung an die Besitzer der ersten, ihre Exemplare gegen neue einzutausdien, um nicht geschädigt zu sein.
Verdanken wir Max SeifFert
bereits das Wesentlidiste des In» halts, so erschien es mir nicht nur erwünscht, sondern angesichts der heutigen Wiedergeburt des Clavecinspiels und der nur in geringer Zahl vorhandenen Exemplare des Werkes notwendig, den vollständigen Inhalt zu ersdiließen, da seine Kenntnis für die Wiedergabe der Couperinschen Klaviermusik und darüber hinaus für das Clavecinspiel des iS. Jahrhunderts überhaupt unentbehrlich ist.
Daß mit dem Besitz eines Clavecins noch nicht die Kunst des .Spiels erworben wird, und derjenige Pianist, der in der glüAliAen Lage ist sich ein Instrument zu kaufen, noch lange kein Clavecinist ist, wird jeder erfahren, der dieses größten Clavecinmeisters bis ins feinste durdidadite Arbeit sorgfältig gelesen hat. Der moderne Spieler wird Umkehr halten und der Zuhörer begreifen lernen müssen, daß erst durch eine möglidist getreue und dem Instrument angepaßte Wiedergabe der Musik diese ihre .ganze Kostbarkeit und Frische entfalten kann.
Der französische Text folgt dem von Bercy und Du Plessy hergestellten Originaldruck des sich im Besitze der Preußisdien Staatsbibliothek in Berlin befindenden Exemplares,- das erklärt die Abweidiungen von der heutigen Sdireib-¦weise und Interpunktion. Die Übersetzung hält sich genau an den Text,- dort aber, wo durdi Couperins Schreibart oder dem frühen 18. Jahrhundert eigentümliche Wendungen für den ersten Blick Unklarheiten bestehen, habe ich die sinngemäße der wortgetreuen Übersetzung vorgezogen. Als Anhang füge ich die Verzierungstabeile Couperins bei,
Februar 1933 ANNA LINDE