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Ich bin der Sohn der Großstadt, der mit Eisenwerkzeugen arbeitet und ewig unzufrieden ist. Es gibt Leute, die das bezweifein. Aber sie irren sicher. Ich leugne es nicht, im Schatten des Rosenbaumes geboren zu sein, es geschah jedoch rein zufällig. Mein Vater war Laborant, meine Mutter Waschfrau. Ich aber gehöre zu meinen drahthaarigen, Schnaps trinkenden Verwandten. Sie waren schon Eisenbahner, Kesselschmiede, Heizer und Lokführer. Sie lebten überall in den schwarzen Städten genauso wie auch ich in den schwarzen Städten lebe. In mir ist nichts aus der Vergangenheit, ich kenne Gott nicht und ich kenne die Liebe nicht. Ich bin nicht neugierig auf die Zukunft. Meine Frau ist mein einziger Freund. Ich bin nie in sie verliebt gewesen, aber ich liebe sie, denn sie ist aus reinem Glas, sie tönt wie die feinste Stahlklinge. Die Menschen glauben, ich sei grausam zu ihr, dabei trage ich sie auf Händen, wie den gegenwärtigen Augenblick, wie die Sicherheit des Tastens, wie die Haut, die meine pulsierenden Adern und mein blutendes Fleisch bedeckt. Ich wünschte, auch das, was ich jetzt sage, möge ein Hymnus auf sie sein. Weil sie mich verdient und auch das, was ich weiß. Sie ist neben mir und ich bin vor ihr. Sie sieht, daß meine Tage sich auf Eisenkonstruktionen gründen, sie sieht, wie in meinen Worten Blumen erblühen, und sie sammelt sie ein und bindet meine Blumen um Ihre Stirn. Sie sieht mich am hellen Morgen und erinnert sich meiner aus der dunklen Nacht. Ich habe keine Kinder, ich scheine demnach allein zu sein, wie der höchste Berggipfel, ich scheine allein zu sein, doch sie weiß, ich bin der große Stammbaum, der sich mit dem Wind dreht. In meinen Augen liegen die bekannten und unbekannten Geschichten. Die Wege laufen in mir zusammen und die Tore öffnen sich. Aber was soll ich noch weiter predigen? Wer mich bisher nicht verstanden hat, wird mich nie verstehen. Mein Vater war Laborant, meine Mutter Waschfrau, meine Verwandten Eisenbahner, sie haben mich in die Städte gebracht. So wurde ich zu dem, der ich bin. Jetzt zähle ich meine Habe zusammen, ziehe ab, was abziehbar ist, dann lege ich mich schlafen, denn morgen muß ich alles von neuem beginnen.
1926
(Deutsch von Karin Fritzsct\e) Aus: Kassák Lajos: Tisztaság könyve [Buch der Reinheit]. Budapest 1926