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Zur Selbstdeutung des römischen ImperiumsVonENDRE VON IVÁNKA GrazEs soll hier nicht von den Vorstellungen, Leitideen und Bildern die Rede sein, die den Glauben des Römers an die Einzigartigkeit des Römertums, an seine Berufung zur Weltherrschaft und an die Ewigkeit dieses Imperiums ausdrücken und fast immer auch irgendwie im Religiösen verankern, seitdem Vergil in der Aeneis Jupiter selbst hatte sagen lassen: Imperium sine fine dedi." Diese Ideen und Bilder gestatten selbst dort, wo sie schon zur konventionellen Formel und zur leeren Phrase geworden sind, immerhin einen Einblick in die Grundlagen dieses Glaubens und tragen, wetm man sie bis zu ihrer Entstehung zurückverfolgt, wo sie noch sinnvoll und lebendig waren, gewiß Wesentliches zur Deutung des Römertums bei; aber sie sind Zeugnisse eines unreflek-tierten Glaubens, und daher nicht Zeugnisse der römischen Selbstdeutung.Was hingegen in den folgenden Zeilen untersucht werden soll, sind die Gedankengänge und Überlegungen, die, ganz bewußt, zur Erklärung der besonderen Stellung des römischen Weltreichs unter allen anderen früheren Weltreichen, zur Begründung des Glaubens an den besonderen sittUchen Wert der von ihm gestifteten Ordnung und an die Ewigkeit seines Bestandes vorgebracht werden. Dieser Glaube hat nicht von vornherein bestanden. Weder Scipio Africanus, der angesichts des untergehenden Karthago seufzend daran denkt, daß einmal der Tag kommen wird, an dem Rom ebenso fallen muß^, noch Sallust, der von der allgemeinen Regel Omnia orta ocddunt et aucta senescmt"^ auch Rom nicht ausnimmt, haben ihn besessen. Als er dann auftaucht, spricht er sich lange vorher schon unreflektiert und spontan in der Dichtung und in der Religion, in Personifikationen und Symbolen aus, bevor er nach theoretischer Grundlegung sucht und sich in Form von rationalen Gedankengängen darstellt. Das geschieht erst viel später. Auf welche geschichtsphilosophischen, sozialethischen und psychologischen Schemen man dabei zurückgreift, was die Bausteine derartiger Gedankengänge sind, das soll wenigstens an einigen hervorragenden Beispielen in den folgenden Zeilen untersucht werden.Die hier angeführten Zeugnisse sind natürlich alle in der Dissertation von Gernentz, Laudes Romae (Rostock 1918), enthalten und werden auch sonst immer wieder angeführt. Was hier angestrebt wurde, ist nicht, neue Zeugnisse- vorzulegen, sondern sie auf ihre Gedankenführung und auf die Herkunft der in ihnen verwendeten Schemen hin zu untersuchen. Deshalb war es oft nötig, sie interpretierend in extenso vorzulegen, obwohl sie allgemein bekannt sind. Hinweise auf die Fachliteratur zum hier behandelten Problem konnten wir unterlassen, weil die wichtigsten Schriften zu dieser Frage (z. B.J.Vogt, Vom Reichsgedanken der Römer, Leipzig 1942) schon in dem Aufsatze von M. Seidlmayer, Rom und Romgedanke im Mittelalter, in: Saeculum 7 (1956) S. 395412, auf S. 396 Anm. 4 aufgeführt worden sind.1Polybios 36, 6, 2.2Bellum Jugurthinum 2, 32 Saeculum Vm, Heft 1Y]