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Vorwort zur 2. Auflage.Die erste Fassung dieser Schrift wurde zu einer festlichen Gelegenheit in vierzehn Tagen glücklicher Eingebung entworfen und vollendet. Obwohl die alte Sonderausgabe seit langem im Buchhandel fehlt, sind sieben Jahre bis zu der Neugestaltung vergangen, die ich in diesem Bande vorlege und in der kaum eine Zeile des alten Textes wörtlich erhalten geblieben ist. Die strenge Forderung des Horaz, das nonum prematur in annum", ist also beinahe erfüllt, und nicht nur äußerlich. Denn Tag für Tag und Jahr für Jahr habe ich die alten. Grundgedanken immer von neuem durchdacht. An jeder Erscheinung des gegenwärtigen Lebens, an jedem geschichtlichen Zusammenhang habe ich meinen Ansatz wieder und wieder geprüft. Ich glaube nicht, daß es mir gelungen ist, das Problem bis zu seiner letzten Lösung zu führen; aber darauf lege ich Gewicht, daß nichts in den folgenden Blättern bloß spekulativ oder bloß konstruiert ist; alles verdankt seine Einordnung der täglichen treuen Beobachtung des wirklichen Lebens, über dessen Gehalt man nicht philosophieren kann, ohne ihm in Tat und Andacht verflochten zu sein, und dem Umgang mit der Geschichte, in der das eigne beste Leben wurzelt.Die Hauptabsicht meines Buches könnte ich dahin aussprechen, daß ich mir die Aufgabe gestellt habe, geistige Erscheinungen strukturell richtig sehen zu lehren. Was dem Beobachter der lebenden Natur, dem Maler, dem bildenden Künstler, eine selbstverständliche Ausstattung ist: der Sinn für das Organische und für den organischen Zusammenhang, ist beim geisteswissenschaftlichen Forscher heute noch eine seltene Gabe des Genies, und die Besinnung darüber darf trotz Burckhardt, Dilthey und Nietzsche noch immer eine neue Kunst genannt werden. Ich sehe aber Zeiten voraus, in denen Fehler der Beurteilung geistiger Strukturverhältnisse nicht nur den künstlerischen Geschmack, sondern auch der wissenschaftlichen Erfassung des Lebens unerträglich sein werden.Vorwort zur 3. Auflage.Obwohl ich glaube, daß dieses Buch zu denen gehört, die mit der inneren Reifung des Verfassers ständig fortwachsen sollten, habe ich doch für die neue Auflage nicht viel ändern können. Sie ist bereits nach neun Monaten notwendig geworden, ein mich beglückender Beweis, daß die Psychologie, die ich gesucht habe und gefunden zu haben glaube, auch anderen Antwort auf ihre Fragen zu geben vermochte. Neu formuliert habe ich nur das Kapitel über Ichkreise und Gegenstandsschichten", dessen Grundgedanke mir nicht befriedigend herausgekommen war. Sachlich ist er nicht nennenswert verändert. Aber hier ist die Stelle, an der weiter gearbeitet werden muß und an der sich mir bereits fruchtbare Ausblicke über das vorliegende Thema hinaus eröffnet haben. Ich hätte das Kapitel jetzt auch überschreiben können: Das Relief des Lebens", wie ich das ganze Buch mit den Andeutungen über die Bewegung des Lebens" geschlossen habe.Das übrige ist, um den Preis des Buches in erträglichen Grenzen halten zu können, durch Manuldruck vervielfältigt worden. Hier mußte ich also auf Änderungen verzichten, die sich auch wohl nur auf Einzelheiten hätten erstrecken können. Eines aber möchte ich nochmals betonen, wie ich es bereits in der programmatischen Schrift: Der gegenwärtige Stand der Geisteswissenschaften und die Schule" (Teubner 1922) getan habe: die Grundlage meiner Psychologie bildet eine ausgebreitete, weit über die herangezogenen Beispiele hinausreichende Anschauung von den Formen des Lebens in Geschichte und Gegenwart. Ohne diese Erfahrungsbasis bleiben meine Typen leer und unverstanden; für den Unfug, der aus ihrem bloß schematischen Gebrauch entstehen muß, trifft mich kein Vorwurf und keine Verantwortung.Bedauern muß ich, daß ich mich mit verschiedenen neuen Schriften, die meinem Gegenstande nahestehea, nicht eingehend auseinandersetzen, noch mehr, daß ich ihre Ergebnisse nicht an