Bővebb ismertető
iemals habe ich die Absicht gehegt, meinen Lebensgang zum Gegenstand einer Veröffentlichung zu machen; ich hege sie auch heute nicht. Von frühester Kindheit an der Einsamkeit ergeben und bedürftig und diesen meinem Geiste notwendigen Zustand nur durch den trauten Umgang mit wenigen erprobten Freunden gern imter-brechend, zugleich aber jeglicher Anlage zu quälender Selbsterforschung bar, habe ich mir mein Leben zu einer Art Burg ausgestaltet mit starken Umfassungsmauern, deren Zugbrücke selten heruntergelassen wird. Dreißig Jahre war ich alt geworden, ehe ich —• dem unablässigen Drängen eines energischen Freundes nachgebend — die ersten bescheidenen Versuche wagte, für die Öffentlichkeit zu schreiben, und erst im 37. Jahre ergriff mich der Schreibdämon, der mich nie mehr loslassen sollte. Diesen Trieb zum Schreiben, d. h. also zu der kunstgemäßen Ausgestaltung in Buchform dessen, was mein Inneres erfüllte, ein Trieb, den ich darum als einen dämonischen bezeichne, weil er das beschränkte Machtbereich meines bewußten Wollens um ein Bedeutendes übertrifft und Dinge hervorbringt, die ich als mein Eigenes nicht wiedererkenne, diesen Trieb und seine Erzeugnisse habe ich von jeher als eine besondere, abtrennbare Erscheinung innerhalb meines persönlichen Daseins empfunden: es handelt sich um eine Art Doppelgängerium, wobei die zwei Wesen zwar im Lebensmittelpunkt zusammentreffen, keineswegs aber identisch sind. Zur Zeit als ich mein erstes Buch schrieb, war ich fest entschlossen, es — im Interesse der mir über alles teuren Ruhe des Unbeachtetseins — unter einem sorgfältig gehüteten Pseudonym herauszugeben; der Dämon entschied anders: in meinem Falle wäre Verheimlichung des Namens Feigheit gewesen. Und so litt ich denn fortan unter dem Drucke einer Notorietät, die mir die Wonne der Abgeschiedenheit raubte. Von dieser bin ich aber entschlossen zu retten, was sich nur retten läßt. So still und abseits imd der allge-meinen Beachtung unwert mein Leben auch verlief, so reich an Irrungen und Wirrungen es auch gewesen sein mag, ich habe es stets als ein heiliges Gut empfunden im Sinne des schönen Wortes Heinrich von Stein's: „Wie auch immer der gewaltige, dunkle Hinterr grund der Dinge in Wahrheit beschaffen sein mag, der Zugang zu ihm stellt uns einzig in eben diesem unserem armen Leben offen, und also schließet auch unser vergängliches Tun diese ernste, tiefe
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