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Einleitung.VonII. SiEBECK-Heidelberg. T. Begriff und Stellung der Medizin.Die Medizin" oder Heilkunde" ist die Lehre von der ärztlichen Krankenbeurteilung und Krankenbehandluiig. Sie enthält die lehrbaren Voraussetzungen, die wissenschaftlichen Grundlagen der Betätigung des Arztes in seinem Berufe.Was der Beruf des Arztes sei, darüber ist man sich immer klar gewesen: er soll anlien ziu- Heilung helfen imd Gesunde vor Ki-anldieit behüten. Um das richtig zu verstehen, müssen wir von der ganz koida'eten Lage ausgehen: der Isjanke tritt vor den Arzt mit der Frage, wie steht es um mich, wie werde ich gesund ? Es stehen einander gegenüber der Arzt in seinem Berufe, mit seinem Wissen und Können, und der Kranke in seiner Not, verlangend nach Hilfe, weü er in seinem Leben mit seinen Bindmigen und Verpflichtungen durch Kranldieit irgendwie gestört ist. Aus dem Zusammensein dieser zwei Menschen ergibt sich, was nun geschehen soll: es sollen Ratschläge gegeben, Anordnungen getroffen, es soll geholfen werden; nicht Gelehrsamkeit, sondern wirkliche Hüfe ist verlangt. Die Betätigung des Arztes ist eine praktische von Mensch zu Mensch, in einem bestimmten, oft sehr Icritischen Augenbhcke. Es versteht sich von selbst, daß die Lehre" allein fruchtbare ärztliche Ai-beit mcht gewährleistet; der Arzt bedarf persönlicher Eigenschaften, die nicht gelernt, nur gepflegt und geübt werden können. Aber es versteht sich ebensosehr von selbst, daß der mit den besten ärztlichen Qualitäten Geborene versagt, weim er nicht gelernt hat, was man über die IvranMieiten und ihre Heilung, über Krankenbeiu-teilung und Kranlvenbehandlung weiß. Der Streit, ob Medizin, Wissenschaft oder Kunst sei, ob es mehr auf Studium und Methodik oder mehr auf Intuition aiüiomme, ist deshalb verfehlt und unfruchtbar.Die Medizin als Lehre ist au^ der ursprünglichen, lebendigen. Betätigung Helfender an Leidenden entstanden, und sie hat der ärztliche^i Arbeit am Ivranlven zu dienen; von da aus fließen ihre Quellen, von da aus ist die kritische Frage an sie gestellt, ob sie ihrer Aufgabe entspreche.Die Medizin als Lehre und Wissenschaft hat also durchaus ihr eigenes Bereich; sie hat ihren besonderen Ausgang und ihre besondere Aufgabe, ihr besonderes Gesetz und ihre besondere Kritik.Die Medizin befindet sich wie jede lebendige Lehre, jede wü'kliche Wissenschaft in einem dauernden Flusse, sie wü'd immer wieder neu geschaffen, vom Arzte aus der Gesamtlage einer Epoche heraus. Sie ist eng verwachsen mit anderen Wissenschaften, mit der universalen Kultur, mit geschichthcli Gewordenem und durch die gesellschaftliche Striüftur Bedingtem. Die Medizin kann immer nur aus ilirer Zeit heraus richtig verstanden werden, aus historischen und soziologischen Gegebenheiten.Lehrbuch der Inneren Medizlu. I.1