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DIE SONNENUHR DES MÜNCHNER JAHRES
München —die phäakisdie Stadt auf der schwä-bisch-bayerischen Hochebene — rühmt sich, wenn es auf sein über Soojähriges Dasein als »Markt« weist, mehr seiner Urbanen Jugend als seiner Ehrwürdigkeit. Viele Städte bereits im Radius der Nachbarschaft bieten weit mehr altersgraue Mauern an, darunter sogar solche mit hocharistokratischer römischer Herkunft, zum Beispiel das alemannische Augsburg, das oberpfälzische Regensburg oder das unterländische Passau. Obwohl Grabungen am Alten Peter, der ersten Stadtpfarrkirche der Landesmetropole, in den letzten Jahren die Spaten auf Fundamente und Vermutungen stoßen ließen, nach denen auch die Isarstadt
Seither also zieht das bürgerliche Jahr, das Weichbild der Stadt ständig weitend, seine Bahn; etwas eigenwillig, aber zünftig — wie halt die Bajuwaren sind, die um 550, den Rudi und Druck der Völkerwanderung behäbig weitergebend, aus den böhmischen Gefilden einströmten und nach kurzem Fußmarsdi Biwak machten. Daraus wurde ein seßhaftes Dablei-
ben, wie es andere Stämme kaum kennen. Das Volksnaturell im Zusammenwuchs mit vorchristlichem und christlichem Brauch gab dem Leben in München eine absonderliche Gangart. Das steuert nicht einfach so von Neujahr auf Silvester zu. Würdig schreitet es über fromme Höhepunkte des Kalenders, doch plötzlich verfällt es in ein synkopisches, ländlerisches, zwiefach-taktierendes Stampfen, wozu Bauemabkunft und gestandenes Herkommen aufspielen. Die Stadt hat über der Million einhunderttausend Einwohner, die ihr die neueste Zählung aufdrängt, weder ihr Gehabe noch ihr Gesidit verloren.
Wenn das monströse Uhrwerk im gotizisti-sdien Turm des neuen Rathauses die rotrocki-gen Figürlein durch grüne Girlanden drehen läßt, dann spiegelt die massenweis bestaunte Mechanik nur lebendigen Brauch. Denn noch heute lösen die Schäfflergesellen im Intervall der hochheiligen Siebenjahreszahl den Ver-spruch ein, das Volk zur notigen Winterszeit in die Straßen und Gassen zu locken, um der