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Leonardo da Vinci war ein ungewolltes Kind. Seine Mutter, eine ledige Bauernmagd, hatte sich dem leidenschaftlichen Drängen eines jungen Mannes ergeben, der stolz darauf gewesen wäre, als »Renaissance-Mann« zu gelten, wenn es den Begriff Renaissance damals schon gegeben hätte. Sie hatte für Liebe gehalten, was für ihn nur Befriedigung des natürlichen Triebes gewesen war. Der Ort dieser flüchtigen Liebesbeziehung, der die Welt den universalsten Künstler aller Zeiten verdankt, war das Städtchen Vinci am Fuße der Albanerberge. Es gehörte zum Machtbereich des mächtigen und reichen Florenz, das sich beinahe alle Städte und fast das ganze Gebiet der Toskana untertänig gemacht hatte.
Ser Piere, der natürliche Vater Leonardos, war Notar. Er übte seinen Beruf in Florenz aus und verbrachte seine Freizeit in Vinci. Das war ein Familienbrauch, der sidi durch Generationen bewährt hatte. Ser Piero und seine Vorfahren waren sowohl Städter als audi Landwirte. Als Notare verdienten sie das zum Lebensunterhalt und zum Ankauf neuer Grundstücke nötige Geld, als Landwirte genossen sie den von Jahrzehnt zu Jahrzehnt vermehrten Besitz und die unbehinderte Freizügigkeit, die ihnen das Landleben bot. Sie waren Herren auf ihrem eigenen Grund und Boden, nicht nur angesehene Bürger von Florenz, sondern auch Honoratioren der kleinen Stadt Vinci, nach der sie sidi benannten. Sie lebten zurückgezogen wie Adlige, ohne es zu sein, und hielten sidi an den Aussprudi ihres florentinischen Landsmannes, des von ihnen in Geschlechterfolge verehrten und immer wieder zitierten