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w. A. MOZART: LES PETITS RIENS
Der 22 jährige Mozart schrieb die Musik zum Ballett „Les petits Riens" des Ballettmeisters Noverre während des dritten Pariser Aufenthaltes im Frühling des Jahres 1778; am 11. Juni d.J. wurde sie im Anschlüsse an Piccinis Oper „Le Finte Qemelle" aufgeführt, wobei nach damaligem Brauche nur der Name No-verres, nicht auch der des Tondichters genannt wurde. Dieser hatte auger der Ouvertüre zwölf Nummern dazu geliefert; sechs oder sieben Stücke bestanden, wie Mozart selbst an seinen Vater berichtete, „ aus lauter alten miserablen französischen Arien". Das Werk war fast 100 Jahre verschollen; erst 1872 wurde es von Viktor Wilder in der Bibliothek der Pariser Großen Oper wieder entdeckt.
Das Regiebuch Noverres ist verloren gegangen; nur eine kurze Beschreibung des Bühnenvorganges blieb erhalten. Da sie in der deutschen Mozartforschung unbekannt geblieben zu sein scheint, sei sie hier nach dem Journal de Paris mitgeteilt: „Das Ballett ist in drei episodischen und voneinander fast getrennten Szenen geschrieben. Die erste ist rein anakreontisch: Amor wird in einer Falle gefangengenommen und in einen Käfig gesteckt. In der zweiten wird Blindekuh gespielt. Die letzte ist ein Schelmenstreich Amors, der zwei Schäferinnen eine als Schäfer verkleidete dritte vorstellt. Die beiden Schäferinnen verlieben sich in denvermeintlichen Schäfer, derschließ-lich seine Brust entblößt, um sie über den Irrtum aufzuklären. Das Stück hatte angeblich zuerst nur geringe Wirkung,
Leipzig, November 1924.
was nicht zuletzt daran gelegen haben soll, daß der Theaterleiter de Vismes im voraus für die Erstaufführung beider Werke auf wahre Wunderdinge gefaßt machte, und ein unbefriedigter Besucher ließ seine schlechte Laune sogar in den folgenden Versen aus:
„Avec son opéra bouffon L'ami de Vismes nous morfond. Si c'est ainsi qu'il se propose D'amuser les Parisiens, Mieux vaudrait rester porte close Que de donner si peu de chose Accompagné de Petits Riens."
Der Erfolg muß sich aber bald gehoben haben, denn Mozart selbst schrieb am 9. Juli an den Vater u. a. : „Dieses Ballen ist schon 4 Mal mit größtem Beyfall gegeben worden."
Auf die einzelnen reizvollen Stücke näher einzugehen, erübrigt sich hier. Von der Ouvertüre abgesehen, sind sie durchweg sehr sparsam instrumentiert, teilweise überhaupt nur für den Streicherchor gesetzt. Die Form der Ouvertüre ist einsätzig und hat mit der des klassischen ersten Sonatensatzes nur wenig gemein; vor allem ermangelt sie eigentlicher Durchführungen.
Es bleibt den Dirigenten natürlich unbenommen, das Werk, wenn es im Konzertsaal nach Suitenart gespielt werden soll, durch Weglassung einiger Sätze zu kürzen, andere vielleicht auch umzustellen; so hat auch Georg Oöhler eine kürzere Fassung des Werkes veröffentlicht.
Max Unger.
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