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Kapitel I
Jurko vom Berg
Der Frühnebel lag noch dicht über den Wiesen und verdeckte den See im Tal, als Jurko das Haus auf dem Berg verließ. Er war wieder zu spät dran. So ein Mist, dachte er. Es ging sich einfach nicht aus: Kühe melken, auf die Weide treiben, hundert andere Handgriffe, ehe er aufbrechen konnte. Um sieben Uhr hatte er sich in der zwanzig Kilometer entfernten kleinen Stadt im Geschäft beim Gesellen zu melden - pünktlich, sauber, höflich, ausgeruht und arbeitsbereit.
Während er den Berg hinunterhetzte bis zur Biegung, von der aus ihn der Busfahrer sehen konnte, hämmerte der Satz in seinem Kopf: „Wannst morgen wieder zu spät bist, brauchst gar nicht erst kommen." Möglicherweise machte der Geselle tatsächlich ernst und sagte dem Chef Bescheid. Wenn ich heute zu spät komme, dachte Jurko, geschieht es in dieser Woche zum dritten Mal. In der vergangenen war es zweimal passiert. Lehrstellen gab es in dieser Gegend wenige, für Installateure war es überhaupt schwierig unterzukommen.
Jurko lief, bis die Lungen zu stechen begannen.
Vielleicht geht es sich doch aus, dachte Jurko, aber als er die Straßenbiegung über der Haltestelle erreichte, sah er nur noch das Heck des davonfahrenden Autobusses. Er hatte ihn tatsächlich versäumt.
Es gab noch eine andere Fahrmöglichkeit - mit der Bahn, nur bedeutete die achtunddreißig Minuten Verspätung. Jurko setzte sich keuchend ins Gras und warf kleine Steine über die Straße. Zahlte sich das noch aus? Und wenn der Geselle ernst machte? Und wenn der Lehrvertrag gekündigt wurde? Brauchst bloß pünktlich sein und a bißl wollen. Wird eh net viel von dir verlangt. - Was wußten die anderen davon, wie schwer das war, jetzt, wo der große Bruder beim Bundesheer diente. Jetzt, wo sich der Vater den Arm gebrochen hatte. Jetzt, wo so viel Arbeit liegenblieb. - Wenn er die Lehrstelle verlor, war es aus mit dem Leben, von dem er immer geträumt hatte: nicht so leben müssen wie der Vater und die älteren Geschwister. Jurko stand auf und trottete den Weg zum Bahnhof. Was blieb ihm anders übrig. Eine schlechte Chance war noch immer besser als gar keine.
Im Geschäft empfing ihn der Geselle mit dem Satz: „Weißt noch, was ich dir gestern gsagt hab?" Jurko preßte die Lippen aufeinander und starrte zum Fenster hinaus. Von diesem Platz aus konnte er eigentlich nur die Bude des