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VORWORT
Es gibt in keiner Sprache eine Biographie der Mutter Napoleons, worin ihr Leben in genügend nahe Verbindung mit der Erscheinung ihres großen Sohnes gebracht wird. Dies ist um so erstaunlicher, als Napoleon selbst, kurz vor seinem Tode, gesagt hat: „Ihr, ihren guten Prinzipien schulde ich mein Glück und meine besten Taten. Alles verdanke ich meiner Mutter!" Man kann sein Lehen erst ganz verstehen, wenn man das ihre kennt; ihr Leben ist bedeutungslos ohne Kenntnis des seinen. Daß es in Beziehung auf ihn erforscht zu werden verdient, unterliegt keinem Zweifel. Die Mutter eines großen Mannes ist selten, wenn überhaupt, eine unbedeutende Frau; gewöhnlich kann man die Eigenschaften, die den Sohn ausgezeichnet haben, bei ihr wiederfinden.
So war es bei Letizia Bonaparte. Wegen dieser Eigenschaften zweifelte sie zuerst an ihrem Sohn, dem Zweifel folgten rasch Mißtrauen und Groll. Dann aber ging sie langsam ihren Weg noch einmal zurück und gewann Schritt um Schritt tiefere Einsicht und tieferes Verstehen für sein Wesen, bis sie schließlich so sehr in seinen Geist eindrang, daß sie erklärte: „In einem Jahrhundert erst wird man den Kaiser wirklich verstanden haben — womit sie in erster Linie seine politische Philosophie meint, die sie selbst erst nach schmerzlichen Mißverständnissen begriffen hatte.
Napoleon glaubte, daß die Monarchie die unumgängliche Bedingung für die geistige und materielle Entwicklung der Menschheit sei; er glaubte ferner, daß die Königswürde ein göttliches, ein von Gottes Gnade verliehenes Amt sei, denn ein gewählter König, dessen Amt ein weltliches ist, muß ein Parteiführer sein oder werden, und jede Partei fällt früher oder später unter die Herrschaft der Finanz.