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Die Prozeduren am Grenzübergang Hirschberg-Rudolphstein folgen einem Reglement der Trägheit und der grauen Penibilität, noch die Uhren scheinen hier anders zu gehen, langsamer, es gibt nirgends Hast, bloß unendlich zögernde Bewegungen von Menschen, Metallen und Wolken.
Als ich danach in meinem Wagen über die lange Saalebrücke fahren darf, wo einige farbige Stelen, zwei wehende Fahnen, ein weißer Schrägstrich auf dem Asphalt die exakte Trennung des einen deutschen Staates vom anderen gleichmütig markieren, habe ich den sanften Einschnitt des Flußtales mit seinem bis zum Horizont hinwuchernden Grün vor Augen, und ich bedenke, wie entschieden alle natürliche Topographie hier der politischen widerspricht.
Der Übergang vom Vogtland nach Oberfranken ist gänzlich fließend. Er gleicht darin dem hier noch schäumend hellen Wasser der Saale, die ihrerseits graziös die Grenze erst markieren, dann durchbrechen kann. Es alles verhält sich nicht sehr viel anders als in Mecklenburg, als im Harz, als bei den steinernen Landschaften Berlins. Im Harz bin ich aufgewachsen, und in Berlin lebe ich seit mehr als dreißig Jahren, ich sollte dergleichen gewöhnt sein, aber ich kann mich daran nicht gewöhnen, die Begegnung mit solchen Linien ist jedesmal für mich wie ein kurzer betäubender Schmerz.
Dabei sind die politischen Grenzen quer durch Deutschland keine Erfindungen unseres zwanzigsten Jahrhunderts. Wie heute der Oberlauf der Saale zwei deutsche Staaten scheidet, schied er vor einem Jahrhundert Kursachsen von Bayern, und die Boute, die ich nehme, folgt der Lebenslinie des in Sachsen gebürtigen, in Franken endgültig zu Weltruhm gelangten Komponisten Richard Wagner. Er hätte ganz gut diesen Weg für seine Flucht wählen können, Mai 1849, da er überstürzt das revolutionäre Dresden verließ, aber er zog die Route nach Thüringen vor, nach Weimar, nach Eisenach, auch dort befindet sich heute eine deutsch-deutsche Grenze, auch
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