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VORWORT
Geschichte, soweit sie den Menschen unmittelbar betrifft, ist der unaufhörliche Ablauf von Vorgängen in Raum und Zeit, an denen der Mensch handelnd und erleidend beteiligt ist. Theoretisch lassen sich diese Abläufe isoliert betrachten, soweit rein empirisch etwas über sie ausgesagt werden kann. Geschichte wird aber außerdem von einer Fülle nicht leicht zu erfassender Momente bestimmt, von Tendenzen und Strömungen im geistigen, wirtschafdichen, kulturellen und sozialen Gefüge. Die Beschäftigung mit historischen Vorgängen, ihre Erklärung, ihre Wertung, der Versuch, sie in bestimmte erzählende, zum Teil von Ideologien, Weltanschauungen und der Individualität des Historikers beeinflußte Darstellungsformen zu gießen, ist ebenfalls Geschichte. Jede ernsthafte Darstellung oder Interpretation der Vergangenheit muß von den tatsächlichen Abläufen ausgehen, um von dieser Basis aus das eigenriiche Ziel der geschichriichen Forschung anzugehen, die Einordnung dieser an sich objektiven Fakten in Bezugssysteme, die normalerweise von zahlreichen subjektiven Voraussetzungen geprägt sind. Aber auch die Fakten müssen erst erkannt, definiert, beschrieben werden. Es besteht wohl kein Zweifel darüber, daß eine Klärung objektiver Fakten weitgehend möglich ist, wenn man auf direkte Wermngen verzichtet, auch wenn das den Vorwurf der Standpunkriosigkeit eintragen könnte.
Historische Fakten sind seit den Anfängen geschichtiicher Forschung von zahlreichen Forschergenerationen aus den Quellen herausgearbeitet worden. Sie tinden sich in den zahllosen Monographien und Aufsätzen sowie in einer Vielzahl von Nachschlagewerken und Handbüchern, denen dieses Buch sich verpflichtet weiß. Da Geschichte sich ständig weiter vollzieht, wird auch das Spektrum ihrer Erforschung breiter, wobei der jüngsten Vergangenheit, der Zeitgeschichte, ein im Verhältnis zu ihrer Dauer überproportionaler Anteil an Aufmerksamkeit zugewandt wird. In neueren Nachschlagewerken tritt entsprechend die Geschichte des Mittelalters und der früheren Neuzeit immer stärker zurück. Die knappe Information über historische Fakten, über Personen und Institutionen, die in ihrer Zeit eine Rolle gespielt oder über sie hinaus gewirkt haben und dem Forscher in den Quellen, dem an der Historie Interessierten in der Literatur begegnen, ist indessen weit verstreut.
In diesem Lexikon wird versucht, in ideeller Anlehnung an ähnliche Werke des 19. Jahrhunderts und des Auslands ohne direkten Anschluß an ein Vorbild, eine breite und präzise Fülle von Einzelinformationen aufzuführen. Es ist vor allem für den Benutzer gedacht, der nicht über den unmittelbaren Zugang zu einer großen Fachbibliothek verfügt: den Studenten auf seiner »Bude«, den historisch interessierten Laien, den Lehrer außerhalb der Universitäten und Landeshauptstädte, aber auch als Gedächtnisstütze für den Fachmann. Durch die in einem noch handlichen Band vereinigte Zahl von fast 6000 Stichwortartikeln, durch gedrängte, doch lesbare und durch sparsame Verwendung von Abkürzungen übersichtiich und allgemein verständlich gehaltene Darstellung will das Lexikon als erstes Auskunftsmittel über wichtige Begebenheiten der deutschen Geschichte dienen. Auswahlkriterium war - unabhängig vom persönlichen Standpunkt der Bearbeiter - die