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Vorwort
Das Interesse an allem Keltischen hat sich in den letzten Jahren bei einem breiten Publikum lauffeuerartig ausgebreitet, wenn man vom Angebot in der Belletristik, den Bildbänden, der Reise-, Sach- und Fachliteratur und nicht zuletzt der Esoterik ausgehen darf.
Bretonische, walisische, schottische, irische, portugiesische Märchen, Sagen und Legenden, aber auch die großen mittelalterlichen Epen um König Artus und den Gral werden neu aufgelegt, der Volksglaube an von der christlichen Kirche nicht oder nur ungern tolerierte geistige Kräfte untersucht und überkommenes Wissen auf den Gebieten der Medizin, Astrologie, Naturbeobachtung, Magie, einschließlich des Wortes und der Musik, sowie spirituelle Erfahrungen, oft aus weiblicher Sicht, werden heute vielfach zum ersten Mal veröffentlicht.
Neue Gattungen, z.B. Fantasy, Comics und z.T. Science-ficton bedienen sich, wie es die traditionellen - Schauspiel, Oper, Ballett - und die darstellenden Künste schon immer getan haben, der Gedankengänge, Erzählabläufe und Sagenfiguren der keltischen Kultur und setzen sie in neue Beziehungen untereinander und zu einer veränderten Welt.
Die Medien helfen mit bei der internationalen Verbreitung dieses Materials, und Leser und Zuschauer stehen schließlich vor einer unüberschaubaren Vielfalt und werden von Namen und Begriffen in immer neuen Konstellationen überflutet.
Es ist sicher richtig, daß geschichtlich, geographisch und archäologisch orientierte Dokumentarfilme und Ausstellungen den Menschen an der Schwelle zum neuen Europa einen Blick zurücktun lassen auf jenen Vorentwurf, den die Kelten vor etwa 2500 Jahren quer über die Landkarte zu legen begannen, und damit das Publikum mit dem Vorstellungsgut des prähistorischen, vorrömischen und gallorömischen Europa bekannt machen. Nur darf man es unter dem plötzlich vorausgesetzten Wissen, das die dem humanistischen Bildungsideal ergebenen Schulen seit je nur sehr spärlich über Caesars Gallischen Krieg vermittelt haben, nicht erdrücken. Eigentlich sollte zu jeder Sendung und zu jeder Neuerscheinung eine keltische Mythologie mitgeliefert werden, da sie letztlich alles Obengenannte speist. Sie bzw. die Weltanschauung, die sie in Bilder und Szenen, Statuen und Reliefs umsetzt, war das Rückgrat jener tiefreligiösen Kultur, welche die klassischen Völker aus mangelndem Verständnis als »barbarisch« abstempelten, die jedoch die Völkerschaften von Portugal bis in die Türkei, von Irland bis Norditalien zusammenhielt und aus ihnen machte, was wir »Kelten« bzw. »Gallier« nennen.