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Englische Sprache
Geschichte und Verbreitung.
Als die Angeln und Sachsen im 5. Jahrhundert den Boden der britischen Inseln betraten, brachten sie dorthin eine flektierte (synthetische) und ungemischte Sprache mit sich, die keine anderen als germanische Sprachelemente aufwies. Und zwar gehörte die angelsächsische Sprache zu dem Stamme des Niederdeutschen. Wenn heute die englische Sprache durch Verlust fast ihrer sämtlichen grammatischen Endungen zu einer analytischen Sprache geworden ist, so findet das seine Erklärung in den zahlreichen und tiefgehenden Einflüssen, die zu verschiedenen Zeiten auf sie eingewirkt haben. Schon vom 6. Jahrhundert an fanden infolge der Einführung des Christentums nicht nur lateinische, sondern sogar vereinzelte griechische Sprachelemente Einlaß. Dieser Einfluß ist indessen von keiner größeren Bedeutung als derjenige, der im Laufe des 8. und 9. Jahrhunderts von Seiten der eindringenden Dänen auf die englische Sprache ausgeübt worden ist. Bei der nahen Verwandtschaft zwischen Dänisch und Altenglisch war er wohl zumeist in der gesprochenen Sprache fühlbar; in der zeitgenössischen Literatur hat er nur ganz geringe Spuren hinterlassen. Um so größer und nachhaltiger war die Einwirkung, die seit der Eroberung Englands durch die Normannen die französische Sprache auf das englische Idiom gewann. Seit 1066 war in England das Französische die Sprache des Hofes, der Geistlichkeit, der Literatur, der Gerichtshöfe. Aber aus den Schichten des niederen Volkes konnte es das Englische nicht verdrängen. Vom 12. Jahrhundert an begannen die in der Minderheit befindlichen Normannen mehr und mehr, sich mit den besiegten Engländern zu mischen. Dadurch sank einerseits das in England gesprochene Französisch zu einem sich immer mehr von der Sprache des Mutterlandes entfernenden Dialekte herab, andererseits drangen zahlreichere französische Elemente zunächst in das gesprochene Englisch, dann aber auch in die Schriftsprache ein. Als vollends im Jahre 1349 das Französische aus den Schulen und 1362 aus den Gerichtshöfen entfernt wurde, war der Sieg der Sprache der Besiegten entschieden. Freilich war aus der Sprache im Laufe der paar Jahrhunderte etwas ganz anderes geworden. Nicht nur der Wortschatz war durch zahlreiche romanische Formen bereichert, sondern auch die grammatische Struktur der Sprache war wesentlich verändert. Wohl wäre die englische Sprache auch ohne die normannische Invasion auf dem Wege von der Synthese zur Analyse fortgeschritten, allein durch den Einfluß der Normannen wurde das Marschtempo ohne Zweifel wesentlich beschleunigt. Was in späterer Zeit noch für die weitere Ent-wickelung der englischen Sprache mitwirkte, kommt neben dem Einflüsse der französischen Normannen kaum in Betracht, sei es nun die abermalige Einführung lateinischer und griechischer Wörter infolge der Renaissance, seien es die vielfachen Beziehungen, in die die Engländer seit der Entdeckung von Amerika und seit der Ausdehnung ihrer Kolonialmacht mit allen möglichen
gebildeten und ungebildeten Völkern traten. Ihre Sprache war mit dem ausgehenden Mittelalter im wesentlichen fertig; nur schrittweise ist sie auf dem einmal eingeschlagenen Wege von der Synthese zur Analyse vorgerückt.
Aber gerade dieser ihrer jetzigen Gestalt, ihrer Einsilbigkeit und Flexionslosigkeit verdankt sie ihre Stellung als Weltsprache. Sie lernt sich leicht und vergißt sich schwer; sie hat unter allen Sprachen die größte Lebensund die zäheste Widerstandskraft. Will man sich den rechten Begriff von dieser Lebenskraft und Zähigkeit des angelsächsischen Stammes und seiner Sprache machen, so braucht man nur die Zahl der englisch Redenden von jetzt mit derjenigen zur Zeit der Königin Elisabeth zu vergleichen. Damals beschränkte sich das englische Sprachgebiet auf England (außer Wales und Cornwall) und Südschottland mit etwa acht Millionen Einwohnern; heute wird Englisch von 126—130 Millionen Menschen in allen Teilen der Erde geredet.
Aussprache.
Hat die Flexionslosigkeit und die damit im Zusammenhang stehende Gelenkigkeit, Ausdrucksfähigkeit und Deutlichkeit zur weiten Verbreitung der englischen Sprache beigetragen, so könnte als ein Beschwernis in dieser Hinsicht die Aussprache der englischen Laute gelten. Es gibt kaum eine Sprache, in der die Aussprache einerseits so wenig im Einklang mit der Schreibung steht, und andernteils so schwierig auf durchgreifende Regeln zurückzuführen ist wie bei der englischen. In folgendem seien einige allgemeine Bemerkungen gemacht.
a) Vokale. Zunächst hat man zwischen offenen (d. h. auf Vokale ausgehenden) und geschlossenen (d. h. auf Konsonanten ausgehenden) Silben zu unterscheiden. In ersteren sind die Vokale lang, in letzteren kurz. Die kurzen Vokale entsprechen im allgemeinen unseren deutschen Lauten:
a=ä, e= e, i=i, o=o, u=ö (oder ü), y=T.
Um so mehr aber unterscheiden sich die langen Vokale von unseren deutschen Lauten. Sie sind gar keine einfachen Vokale mehr, sondern Doppellaute, und zwar: ä=ei (e+i); e=i; I=ai (a+i); ö=öiT (ö+u); ü=jü.
Außer in offenen Silben kommen die diphthongischen langen Vokale noch in gedehnten Silben vor. Die Dehnung wird in der Schrift durch vorgesetzte oder nachgesetzte Buchstaben angedeutet. Als allen Vokalen gemeinsames Dehnungszeichen ist das nachgesetzte e zu betrachten. Außerdem hat jeder Vokal einen oder mehrere besondere Dehnungsbuchstaben, die aber selbst alle stumm sind. Solche Dehnungszeichen sind:
Für a: ai „ e:ee, ea
„ i : igh (auch vor ld und nd ist i meist lang) „ o: oa, oo (was freilich auch = u oder ö wird) „ u:eu.
b) Konsonanten. Unter den Konsonanten wird gemeinhin das th als der schwierigste englische Laut hin-
Kürschner, Lexikon der sechs Weltsprachen.
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