Bővebb ismertető
Wo, an seinem 250. Geburtstag, treffen wir Georg Christoph Lichtenberg? Wo läßt er sich, am 1. Juli 1992, plausibel feiern? Wo ist die beste Gelegenheit für eine Gratulationscour und ein Interview?
Müssen wir uns aufschwingen zum Kosmos seiner Aphorismen, eine Raumfahrt wagen in die »Milchstraße von Einfällen« (wie er selbst seine tagtäglichen Notizen einmal genannt hat)? Oder müssen wir uns, im Gegenteil, zum Maulwurf machen und unterirdische Wege gehen: »Lichtenberg gräbt tiefer als irgendeiner, aber er kommt nicht wieder hinauf. Er redet unter der Erde. Nur wer selbst tief gräbt, hört ihn.« (Karl Kraus)
Nein, wir versuchen, etwas auszurichten, indem wir uns bei ihm einrichten. Indem wir ihm, salopp gesagt, auf die Bude rücken. Denn soviel wissen wir von ihm: derWeltgeist Lichtenberg wurde es als Stubenhocker. Das eigentliche Firmament des Astronomen Lichtenberg waren die eigenen vier Wände. Dem Hypochonder Lichtenberg wurde seine Wohnung zu »einer Axt von zweitem Körper«. Sein Zuhause wurde immer mehr sein Zentrum, denn, so hat er bekannt, »da träumt und reimt und räumt er«.
Da träumte und reimte und räumte er nicht nur, da stapelten sich nicht nur die Sudel- oder Gedankenbücher, die Tagebücher aus vielen Jahrzehnten, da führte der mit einer übergroßen Portion Sinnlichkeit ebenso begabte wie geplagte Mann auch jene skandalumwitterte Existenz, die ihn in den Augen seiner Göttinger Zeitgenossen zu einem erotischen Dämon, zu einem Wollüstling, zu einem (wie man heute sagen würde) Sex-Maniac machte; da nistete sein Sensualismus, der ihn eimnal flehen ließ: »Wenn ich nur Herr über mich selbst werden könnte! Doch halt: wenn ich Herr über mich selbst wäre, wer wäre dann der Sklave?