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Editorial
Eine Literaturzeitschrift ist etwas Flüchtiges und etwas Bleibendes. Flüchtig ist sie vor allem flir das Redaktionsteam, das daran arbeitet; bleibend ist sie fllr Sie als Lesende/n. Während Sie eine Ausgabe in Händen halten, arbeiten wir schon an der nächsten. Das vorliegende Heft ist als Nummer 150 etwas Besonderes und beinhaltet alle wichtigen Elemente, von denen die LICHTUNGEN geprägt und ausgezeichnet werden - nur von allem noch ein wenig mehr.
Als lose Klammer haben wir uns für diese Ausgabe den vagen und doch so allgegenwärtigen Begriff der Krise vorgenommen: Was sagen literarische Stimmen aus sogenannten Krisenländem zu dieser Daueranrede ihrer Länder? - Wir haben Autorinnen und Autoren aus Italien, Portugal und Spanien eingeladen, ihre Positionen darzulegen. Steckt die Literatur, ja, die Gesellschaft aufgrund einer zunehmenden Medialisierung und Digitalisierung in einer Krise, die durch schwindende Aufmerksamkeitsfähigkeit ausgelöst wird? - Auch dazu legen hochkarätige Autorinnen und Autoren ihre Sichtweise dar.
Wie immer die Krise geartet sein mag, sie soll uns Literatur- und Kunstschaffende nicht zum Verstummen bringen. Deswegen finden Sie in diesem Heft als kräftiges Lebenszeichen auch die drei Preisträgertexte aus dem Literaturwettbewerb der Akademie Graz sowie in altbewährter LICHTUNGEN-Manier junge und talentierte NEUE NAMEN. In 150 LICHTUNGEN-Ausgaben steckt sehr viel Arbeit. Jede einzelne Ausgabe soll etwas Rundes, Ganzes sein, und dazu gehört auch der Kunstteil, den Astrid Kury seit 2015 kuratiert. Er ist untrennbar mit dem Lese- und Schaugenuss verbunden, den die LICHTUNGEN bieten. Zusätzlich hat unser neues Redaktionsmitglied Ferdinand Schmalz einen Schwerpunkt zum Theater der Gegenwart zusammengestellt. Abgerundet und angereichert wird diese Ausgabe mit verschiedensten sichtbaren und unsichtbaren Beiträgen unseres Redaktionsteams und, abseits der zeitkritischen Themenschwerpunkte, einem bunt choreographierten Literaturteil.
Wenn Sie die LICHTUNGEN kennen, dann laden wir Sie herzlich dazu ein, sich mit uns über diesen 150. Meilenstein zu freuen. Wenn Sie die LICHTUNGEN erst kennenlernen, dann freuen wir uns darüber, dass Sie sich mit uns auf das Wagnis des Analogen, auf das Flüchtige wie auch das Bleibende des Printmediums einlassen. Leserinnen und Leser tragen wesentlich dazu bei, eine dauerhafte Krise der Gesellschaft zu verhindern. Denn eine Krise soll im Gegensatz zu einer Literaturzeitschrift nichts Bleibendes sein - nur etwas Flüchtiges.
Die Redaktion