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Schwankende Widersetzlichkeiten
»Man muß sich stellen«, sagt die kleine alte Schauspiellehrerin Melanie zu ihrer Schülerin Eva, der das heutige Theater vor den heutigen Bedrängnissen zu enthoben erscheint. Und sie erwähnt gleich das Gegenbeispiel: Ferdinand Marian mußte den Jud Süß spielen; er wölke ihn so spielen, wie er bei Feuchtwanger steht, doch sein Leben war mit dem Widerspruch dieser Aktion ruiniert.
Theater ist wichtig, gewiß, erst recht die Erinnerung der 87jährigen daran, aber das Spiel hat sich verkehrt ins wirkliche Leben, das voller Masken ist.
Zum Schluß des Spiels und ihres Lebens (des Spiels um ihr Leben und mit ihrem Leben) weiß die kleine alte Melanie, daß sie jetzt nicht jung sein möchte, daß Sterben zwar blöd ist, aber daß das Spiel auch nicht ewig währt, zumal ihr schon längst niemand mehr ihre wichtigen Fragen beantwortet.
Und dann klingt über den leisen, unbemerkten Tod hinaus ihre Stimme vom Tonband, ihre Erinnerung an Reinhardt und Falkenberg, die mit Liebe zuhören und zuschauen konnten beim Spiel auf der Bühne, die mit ihrem Lachen ermutigten und erfreuten. Eva geht den leeren, toten Gang des Altenheims entlang - ermutigt und erfreut von der Kraft der Stimme dieser soeben gestorbenen Komödiantin?
Wim Wenders hat vor einigen Jahren mit Nicholas Ray wagemutig die Kamera zum Zeugen des Wechselfalls zwischen Spiel und Tod gemacht: das Ende eines großen Regisseurs, der sein Sterben so gern in inszeniertes Spiel verwandelt hätte, den das grausame Spiel des Lebens aber bei diesem Versuch immer wieder einholte. Michael Verhoeven, der Arzt, Schauspieler und Regisseur, hat jetzt mit Melanie Horeschovsky, der 82jährigen Burgschauspielerin, ein Spiel zum Ende des Lebens hin gewagt - als Kräftigung im Erlöschen, als Ermutigung und Mahnung an die »Erben«. Dies ist eine abgegrenzte Fiktion, eine Komödie fast, die sich dem Sterben widersetzt, in die sich aber autobiographische Erinnerungen, Erfahrungen und Ahnungen des Unausweichlichen ständig einmischen. Viele Schauspieler wünschen sich das Spiel bis ans Ende, bis an den Punkt, wo es zur endgültigen Transformation wird. Möglich, daß ge-