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ERSTES KAPITEL
Paule betrachtete ihr Gesicht im Spiegel und musterte, eine nach der anderen, die Niederlagen, die es in neununddreißig Jahren erfahren hatte; nicht etwa mit der in solchen Fällen üblichen Erregung und Bitterkeit, sondern mit einer fast zerstreuten Ruhe. Als gehörte die warme Haut, die sie manchmal mit zwei Fingern spannte, um eine Falte zu betonen oder einen Schatten hervorzuheben, jemand anderem, einer anderen Paule, die leidenschaftlich mit ihrer Schönheit beschäftigt war und die nur schwer aus der Klasse der jungen in die Klasse der jüngeren Frauen hinüberwechselte: einer Frau, die sie kaum wiedererkannte. Sie hatte sich vor den Spiegel gestellt, um die Zeit totzuschlagen, und entdeckte — sie lächelte bei dem Gedanken —, daß, im Gegenteil, sie selbst allmählich von der Zeit totgeschlagen wurde, die sich ganz sacht an ein Gesicht heranmachte, von dem Paule wußte, daß es geliebt worden war.
Roger sollte um neun Uhr kommen; es war sieben; sie hatte reichlich Zeit. Zeit, sich auf das Bett zu legen, mit geschlossenen Augen, und an nichts zu denken. Sich zu entspannen. Sich zu erholen. Aber an was für leidenschaftliche, aufreibende Dinge
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