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Was hat mich nur nach Kochberg getrieben, diesem Dorf mit seinen hundertzehn Hausnummern? Die Hast, mit der ich meine Reise antrat, kam mir selbst etwas befremdlich vor. Kein Mensch hatte mich eingeladen, es gab weder Freunde noch Bekannte. Grofi-Kochberg liegt nicht in jenen Landschaften, die ihren Ruhm einer Sonntagslaune der Natúr verdanken, wie die Dörfer im Spreewald mit den buntgestrichenen Káhnen, wo an den Wasserstrafíen Blockhaus neben Blockhaus steht und dahinter die Auenlandschaft liegt mit Erlen und Weiden, oder wie Thürmsdorf mit seinem Lilienstein, dem spröden Eigensinn der Sandsteinfelsen, blockartig aufgetürmt. Nichts Besonderes zeichnet diesen Marktflecken aus, kein Höhenzug, kein Stausee, er liegt abseits der Hauptstrafie in einer Gelándefalte zwischen Saale und Ilm in den Vorbergen des Thüringer Waldes. Was war es alsó, das mich nach Kochberg trieb? Das Schlofi? Es gibt schönere Burgen und Schlösser im Thüringer Raum, die Heidecksburg bei Rudolstadt, das Molsdorfer Schlöfkhen zwischen Erfurt und Gotha, die Wartburg bei Eisenach. Oder waren es die Liebesbriefe, die ein deutscher Dichter vor zweihundert Jahren an seine Freundin nach Kochberg schrieb? Deprimierend war nicht nur der Ort, auch die Wetterlage schien trostlos. Einen regnerischen Sommer hatten die Klimatologen vorausgesagt. Ein endlos nieselnder Regen ging schrág über das Land, die Berge hatten ihre Tarnkappen aufgesetzt, eine feuchte Kálte drang durch das Mauerwerk bis auf die Haut. Freudlos ging der Blick durch das