Bővebb ismertető
Jeden Morgen pünktlich um neun Uhr erhielt Matweij Nikiforowitsch Karpuschin seine Liste. Ein Adjutant im Rang eines Leutnants brachte sie in einer ledernen braunen Mappe, grüßte mit der eckigen Ehrenbezeigung der sowjetischen Armee, sagte: Guten Morgen, Genosse Oberst! und klappte die Mappe auf. Und jeden Morgen wiederholte sich dann das gleiche: Oberst Karpuschin klemmte seinen altmodischen Kneifer auf die etwas gerötete und großporige Nase und kratzte sich den Haaransatz. Auf den Kneifer verzichtete er nicht, obgleich ein anderer Kneiferträger, der Genosse Außenminister Molotow, in Ungnade gefallen und in die Mongolei verbannt worden war. Wozu eine Brille tragen? sagte Karpuschin einmal. Schon mein Vater sah durch einen Zwicker! Und er machte den Sturm auf Sewastopol mit. Ein überzeugendes Argument.Mit einem langen Blick überflog Karpuschin die Liste, zählte stumm mit dem Zeigefinger die Namen und hob seinen runden Kopf. Karpuschin trug einen unmodernen braunen Anzug mit weiten Hosenbeinen, ein hellblaues Hemd aus Baumwolle und einen roten Schlips. Olga Jelisaweta, seine Frau, hatte ihn ihrem Mann zum Tag von Väterchen Frost geschenkt, wie man heute Weihnachten nannte. Ein Schlips, der bald in der Sektion III Überwachung Tourismus Westeuropa I berühmt und berüchtigt war, denn des roten Schlipses wegen wurde der Feldwebel Jemeljan Alexejewitsch Schamow zu einem Feldkommando strafversetzt. Beim unvorsichtigen Anschneiden einer Knackwurst war die Wurstbrühe in hohem Bogen über den Tisch und dem Obersten Karpuschin auf die rote Zierde gespritzt. Etwas Besonderes, Kusma Mironowitsch? fragte Karpuschin, nachdem er mit dem Zählen der Namen fertig war. Neunundsiebzig! Flug 45 von Warschau.Eigentlich nicht, Genosse Oberst, antwortete der Adjutant und las noch einmal die Namen auf der Liste.Es war warm in dem großen Zimmer. Schon seit dem frühen Morgen lag die Luft über Moskau wie ein Dach aus glühendem Blei. Zu Tausenden fuhren die Moskauer in den Gorkij-Zentralpark, ins Freibad am Kropotkin-Kai und zu den schwimmenden Restaurants am Ufer der