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VORBEMERKUNG
Das dieser Arbeit vorangestellte Motto von Friedrich Schlegel ist mir in seiner Mehrdeutigkeit nur allzu oft bewußt geworden. Wer sich mit der Thematik befaßt, sieht sich zwangsläufig mit einem Dilemma konfrontiert: Einerseits kommt, wie Bausinger (1987) treffend bemerkt, der Verdacht auf, daß der Gegenstand der wissenschaftlichen Behandlung die Darbietungsform induziert, andererseits wiederum begegnet man dem Vorwurf, man versuche das zu untersuchende Thema durch die wissenschaftliche Analyse allzusehr einzuengen, es gewissermaßen aus der Welt zu schaffen. So sagt etwa Enright (1988, 1): "When later in the proceedings I began to read books on the subject, I got the impression that one common though perhaps only temporary characteristic of their authors - besides an undeveloped sense of humor - was an overdeveloped taste for scientific method, or the outward appearance of it." Ich habe mich bemüht, beiden Vorurteilen so gut wie möglich entgegenzuwirken.
Ich danke deshalb all denen, die mich nicht für zu ernst, aber für ernst genug gehalten haben, um mich der Ironie anzunehmen, und die durch Hinweise und Anregungen die Entstehung und Überarbeitung der Dissertationsfassung begleitet haben.
Vor allem bedanke ich mich bei Rudi Keller, der dieser Arbeit die entscheidende Richtung gegeben hat. Gabriel Falkenberg hat mich ermutigt, das Thema weiterzuverfolgen. Seine Anregungen sind mir auch jetzt noch in Form von zahlreichen Notizen und Hinweiszetteln vor Augen. Ich danke ihm sowie Volker Beeh, Frank Liedtke und Jürgen Pafel für ihre alltägliche "ironische Kompetenz" und ihre Geduld und ständige Bereitschaft, meine Überlegungen kritisch zu prüfen, zu kommentieren und zu korrigieren. Jürgen Pafel und Renate Kolvenbach danke ich für ihre große Sorgfalt und unermüdliche Hilfe bei Korrektur und Textgestaltung.
Düsseldorf, im März 1992
"Dann solltest du auch sagen, was du meinst", fuhr der Schnapphase fort. "Das tue ich ja", widersprach Alice rasch; "wenigstens - wenigstens meine ich, was ich sage - und das kommt ja wohl aufs gleiche heraus." "Ganz und gar nicht", sagte der Hutmacher. "Mit dem selben Recht könntest du ja sagen: 'Ich sehe, was ich esse' ist das gleiche wie 'Ich esse, was ich sehe'!"
Lewis Carroll,
Alice im Wunderland.
0. EINLEITUNG
Es gehörte eine Zeitlang zum guten Ton in der Sprachwissenschaft und der sprachanalytischen Philosophie, den einen oder anderen Gedanken von Lewis Carroll an den Anfang seiner Überlegungen zu stellen, weil die Prägnanz, mit der er alltägliche Konventionen und Gesetzmäßigkeiten spielerisch in Frage stellte, in entscheidender Weise dazu beitrug, die theoretische Reflexion und die Formulierung eines Problems auf den Punkt zu bringen. Ich will mich hier dieser Tradition anschließen.
Wenn jemand meint, was er sagt, hat er in aller Regel eine wörtliche Äußerung vollzogen. Wenn jemand sagt, was er meint, muß er dies im Gegensatz dazu keineswegs wörtlich tun. Er kann dazu alle Register seines sprachlichen und stilistischen Könnens ziehen. So kann er seine Gesprächspartner auf unterschiedliche Weise dazu bringen, zwischen den Zeilen zu lesen und seine Äußerung nicht wörtlich zu nehmen, etwa indem er metaphorisch, allegorisch oder scherzhaft spricht, indem er, um die Höflichkeit zu wahren, Illokutions-ambiguitäten, sog. indirekte Sprechakte, den direkten Formen vorzieht oder er kann sagen, was er meint, ohne zu meinen, was er wörtlich sagt, indem er eine ironische Äußerung vollzieht, und - so die gängige Auffassung - damit das Gegenteil oder etwas anderes zum Ausdruck bringen wollen. So könnte die Äußerung "Es wird heiß hier" durch Variation des Kontextes auf mindestens drei Arten nicht-wörtlich verstanden werden: Metaphorisch, wenn sich ein Streit anbahnt; als indirekter Sprechakt, wenn der Sprecher dem Hörer zu verstehen geben will, daß er möchte, daß dieser die Heizung abstellt; oder