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Der große Kritiker ist selten, weil die Vielfalt der Aufgabe, an die er berufen ist, von innen her Vielfalt der Fähigkeiten fordert und deren oft gegensätzliche Elemente überdies noch in einer so besonders abgewogenen Dosierung, daß die widerstrebenden in ihrer Wirkung sich verstärkend binden, statt einander durch ihren disparaten Ursprung aufzuheben. Von allem, was in jedem Kunstwerk, in jedem Künstler enthalten ist, muß Spur, Anlage und Keim in dem idealen Kritiker gleichfalls bereit sein; nichts wiederum darf er wie der Künstler ganz und restlos verkörpern — immer muß er gleichzeitig diesseits und jenseits sein, in sich zugleich imd in dem andern. Verschiedenstes muß er vereinigen, den Blick für das Zeitlose und den Nerv für die Zeit, das Relative der Stmide ebenso zu empfinden befähigt sein wie das Absolute der Werte, Vergangenes muß er gewärtig haben im Sinne der Bildung, das Werdende aber mit dem magischen Auge der Ahnung vorausfühlen. Er muß Künstler sein und doch wieder nicht zuviel: gerade genug, um das Geheimnis der Werkstatt zu kennen, die Krisis der Schöpfung, die Ehrfurcht vor der Gestaltung, damit er dann umschaffend seine eigene Sphäre, die der wissenden Nachgestaltung, in vollendeten Formen zu durchbilden vermöge. Aber ebenso muß ihm die erhabene Einseitigkeit, die Eigenwilligkeit, die ganz der Phantasie verschworene Einstellung des reinen Künstlers
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