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wieder ist Fliederzeit. Ich sitze in einem Garten am Bunnefjord, außerhalb von Oslo. Neben mir im Gras steht eine große Tasche. Eine rot-grün-violett-schwarze Damentasche mit Blumenmotiv. Tulpen. Einige von ihnen haben sich geöffnet. Andere sind noch immer geschlossen, als wäre es früher Morgen. Die Tasche gehört Liv Ullmann. Ich habe sie mir für ein paar Monate ausgeliehen. Sie ist voll mit Papieren, Entwürfen, Interviews, Fragmenten, Gedanken, Vorträgen und Tagebüchern.
Es sind die Linien ihres Lebens. Gedanken, die sie hegte, seit sie als kleines Mädchen in Trondheim plötzlich begriff, dass sie mit ihrem Leben etwas anfangen wollte. Seitdem hat sie geschrieben, die ganze Zeit. Sie schreibt immer noch, kann es nicht lassen. In der Tasche liegt ein unvollendetes Manuskript: »Die blaue Stunde«.
Liv schreibt »Vor meinem Schlaganfall war ich niemals krank. Ich war nie alt, und ich war nie tot. Und wer bin ich jetzt? Ich bin schwerkrank gewesen. Die alternde Frau - das bin ich -durchschaut nun all ihre Verkleidungen, die sie womöglich daran gehindert haben, sie bei ihrem rechten Namen zu nennen. Vielleicht bin ich jetzt, zum ersten Mal, diese Frau. Jetzt, da ich das Ende meiner Fantasien und Träume ahne, kann mein Abenteuer als diese Frau beginnen. Diese Stunde der Dämmerung, die mir gehört Es kann schön sein zu altem. Um den Tod zu wissen und darum, dass ich ein Teil des Universums bin, dass