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Elizabeth Taylor: Und das Fleisch ward Wort
John Russell Taylor
Ich bin Elizabeth Taylor einmal begegnet. Nur einmal. Es geschah, so würde man heute wohl sagen, während des eigentlichen Höhepunktes ihrer Karriere, als sie die eine Hälfte des formidablen zweiköpfigen Monsters »Die Burtons« bildete. Ich hatte eine Einladung nach Sardinien erhalten, um einer Phase der Dreharbeiten zu Joseph Loseys Film beizuwohnen, der schließlich den Titel Boom! (»Brandung«) erhalten sollte. Wollte man damals, lange vor irgendwelchem Fußballweltmeisterschaftsruhm, nach Sardinien gelangen, so fuhr man ganz normal nach Rom und bestieg dann ein winziges, klappriges Flugzeug, um nach Cagliari hinüberzufliegen. An Bord des Flugzeugs saß ich neben einer hübschen Irin, und wir kamen miteinander ins Gespräch. Sie sei, so sagte sie, eine Schulfreundin von Elizabeth Taylor, und wenn sie auch jetzt nur Hausfrau sei, so denke Liz immer noch an sie und habe die Freundlichkeit, sie hin und wieder an interessante und exotische Drehorte einzuladen. Wir kamen am frühen Nachmittag in Cagliari an und wurden vom Publicity-Manager des Teams empfangen, der verkündete, wir würden direkt zum entscheidenden »Set« gebracht, der die Zimmer einer Villa oberhalb eines felsigen Steilufers darstellte und tatsächlich oberhalb eines felsigen Steilufers aufgebaut worden sei, denn an jenem Tage würde dort gedreht, an den folgenden drei Tagen jedoch nicht, und man wolle, daß wir die Szenerie bei laufenden Dreharbeiten noch vor Sonnenuntergang sähen. Ais wir ankamen, drehten die Burtons gerade eine intime Szene im Schlafzimmerteil der Kulissen, und so unterhielten wir uns mit Pat Losey, Joes Frau, im »Wohnzimmer«, während wir darauf warteten, daß die Szene abgedreht war. Das war nach einiger Zeit der Fall, und dann kam sie - Elizabeth Taylor höchstselbst. Ekstatische Wiederbegegnung mit meiner irischen Reisebekanntschaft. Dann sagte Pat Losey: »Elizabeth, ich glaube, du kennst noch nicht Das ist John Russell Taylor von der Times.« Die Lady fixierte mich mit Basiliskenaugen. »Verd «, sagte sie, »wer zum Teufel hat Sie hier reingelassen?« Sie machte
auf der Stelle kehrt und verschaffte sich so einen dramatischen Abgang.
Kurz darauf erschien Richard Burton. Er legte in etwa die gleiche Szene hin, nur sagte er, als wir einander vorgestellt wurden: »Ach, Sie sind das. Sie haben doch geschrieben, ich sei ein Rüpel.« - »Klingt nicht nach meinem Stil«, sagte ich, während ich mich verwundert fragte, wovon er wohl sprach. »Dann eben ungehobelt«, sagte er. Ich zögerte, da ich zu dem Schluß gekommen war, daß er offenbar von meiner (zugegeben nicht allzu günstigen) Rezension ihres letzten Films The Taming of the Shrew (»Der Widerspenstigen Zähmung«) sprach. »Ich jedenfalls weiß es noch. Ich vergeß' keine Rezension, niemals«, sagte er, und so schritt nun er von der Szene, nicht ohne noch einmal kurz vor der Tür innezuhalten und mir über die Schulter zuzuheilen: »Immerhin haben wir damit in den Staaten schon acht Millionen eingespielt.« Den folgenden Tag wurde am Strand gedreht, aber nur mit ihm, ohne sie. Er war, nachdem er seiner Verstimmung als Schauspieler Luft gemacht hatte, ganz gesprächig und umgänglich. Das wäre sie aller Wahrscheinlichkeit nach wohl auch gewesen, hätte sie im Verlauf meines Aufenthalts die Jacht verlassen müssen, die während der Dreharbeiten als ihrer beider schwimmendes Zuhause diente. Dem war aber nicht so, und da wir einander nie wieder begegneten, kann ich bis heute nichts darüber sagen. Möglicherweise schade. Oder vielleicht auch nicht, denn es kann bedeuten, daß jeder persönliche Eindruck von ihr auf einer einzigen Begegnung, einem einzigen Satz beruht. Wie dem auch sei, die Szene ist mir erstaunlich klar in Erinnerung geblieben, isoliert und symbolisch wie ein Bild aus einem Traum. Und je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr klingt darin mit. So viele Eigenschaften sind in jenem Mikrokosmos enthalten. Zunächst einmal sah sie hinreißend aus, entsprechend dem Klischee: »Du bist so schön, wenn du wütend bist.« Von sinnlicher Üppigkeit, ohne dick zu sein, von idealer Gesichtsfarbe, leicht, doch sehr vorteilhaft gebräunt, und mit ihren