Bővebb ismertető
Vorwort zur dritten Auflage.
Durch die Trennung der in der vorigen Auflage zu einem Doppelband vereinigten Methodenlehre in zwei selbständige Bände ist es nötig geworden, für jeden dieser Bände einen besonderen Titel zu "wählen. Wenn ich demnach den vorliegenden Band eine Logik der exakten Wissenschaften genannt habe, so ist dies, wie ich nicht unterlassen möchte zu bemerken, lediglich aus praktischen Gründen geschehen. Für Mathematik und Naturwissenschaft, vornehmlich in ihrer Vereinigung, ist nun einmal der Name der „exakten Wissenschaften" im Gebrauch. Niemand wird daher zweifelhaft sein, was er unter diesem Titel zu erwarten habe. Im übrigen bin ich selbst der Meinung, daß sich gegen ihn manches einwenden läßt. Versteht man den Begriff des Exakten in dem üblichen Sinne, nach dem er eine besondere Genauigkeit und Zuverlässigkeit bezeichnen soll, so gibt es zweifellos naturwissenschafthche Gebiete, wie z. B. viele Teile der Biologie, deren Exaktheit vieles vermissen läßt, während die philologische und teilweise auch die historische Methodik in ihrer Weise sehr wohl den Anspruch erheben dürfen, exakt genannt zu werden. Nimmt man aber den Begriff des Exakten im Kantischen Sinne, wonach jede Wissenschaft so genannt werden darf, auf die Mathematik angewandt werden kann, so ist es zwar richtig, daß solche Anwendungen in der Naturwissenschaft sehr viel häufiger vorkommen als in den Geisteswissenschaften, daß sie aber auch in diesen keineswegs ausgeschlossen sind, wie dies z. B. die Maßmethoden in der Psychologie und die statistischen Methoden in der Sozialwissenschaft zeigen.
Vorwort zur dritten Auflage.
Die dritte Auflage dieses Bandes hat, abgesehen von kleineren Verbesserungen und Zusätzen, die auf Grund einer sorgfältigen Revision des Ganzen vorgenommen worden sind, hauptsächlich in drei Gebieten umfassendere Umarbeitungen erfahren: erstens in dem die völkerpsychologischen Methoden behandelnden Teil des ersten Abschnittes, sodann in dem den philologisch-historischen Wissenschaften und den methodologischen Priuzipienfragen der historischen Methodik gewidmeten des zweiten, und endlich in der allgemeinen Behandlung der Soziologie im dritten Abschnitt. Die Gründe dieser Umarbeitungen bedürfen wohl keiner besonderen Rechtfertigung: sie liegen teils in den Fortschritten, die in den jüngsten Jahren auf den einzelnen Gebieten gemacht worden sind, teils in der Diskussion, die vornehmlich über die logischen Grundfragen der historischen und soziologischen Wissenschaften stattgefunden hat.
Daß mich bei den Erweiterungen, die die Kapitel über Völkerpsychologie und Geschichte erfuhren, noch speziellere, wenn ich mir den Ausdruck gestatten darf, persönliche Motive geleitet haben, will ich nicht verschweigen. Je mehr mir die Richtung eigener Arbeiten, namentlich im Laufe des letzten Dezenniums, die Beschäftigung mit den Problemen der Völkerpsychologie und damit zugleich mit den nächstverwandten philologisch-historischen Dis-ziphnen nahelegte, umsomehr befestigte sich mir die Überzeugung, daß die Psychologie hier gegenüber den einzelnen Geisteswissenschaften zu einer ungleich wichtigeren Mission berufen sei, als man bis dahin auf beiden Seiten anzunehmen geneigt war, und daß nicht minder für sie selbst die hauptsächlichsten Zukunftsprobleme da liegen, wo sie sich mit den historischen und soziologischen Gebieten berührt. Daß man sich dieser Wechselbeziehungen jetzt schon
Vorwort zur dritten Auflage.
In seiner dritten Auflage wird dieses Werk insofern in seiner äußeren Grestalt eine Veränderung erfahren, als die beiden Teile, aus denen der die Metbodenlehre behandelnde zweite Band bestand, nunmehr in zwei selbständigen Bänden erscheinen sollen. Demnach wird das Granze in drei Bände zerlegt, deren erster die allgemeine Logik und Erkenntnistheorie enthält, während der zweite die Logik der Naturwissenschaften nebst den Grundzügen der allgemeinen Methodenlehre und der Logik der Mathematik, der dritte die Logik der Geisteswissenschaften abhandelt. Der Inhalt des vorliegenden ersten Bandes ist noch einmal sorgfältig durchgesehen worden. Außerdem haben der dritte und vierte Abschnitt Umarbeitungen erfahren, in denen besonders die gegenwärtig schwebenden erkenntnistheoretischen Streitfragen eingehender berücksichtigt worden sind.
Leipzig, im März 1906.
W. Wundt.