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EINLEITUNGBeinahe gleichzeitig mit dem Stoff des Tannhäuser war auch der des Lohengrin in Richard Wagners Gesichtskreis getreten. Zunächst ging die stärkere Faszination von Tannhäuser aus, der den einmal von ihm ergriffenen Schöpfergeist zur Vollendung des Werkes drängte. Jedoch auch Lohengrin ließ ihn nicht mehr los. Er gewann Leben und Blut, je mehr der Künstler, vereinsamt und in seinem höchsten Streben mißverstanden, im Schicksal des Gralsritters eine Spiegelung seiner eigenen seelischen Situation zu erkennen glaubte. In solchem inneren Durchleben läuterte sich aus dem Stoff der rein menschliche Kern der Sage. Diese hatte Wagner aus der prosaischen Verserzählung eines mittelalterlich-bayerischen Dichters kennengelernt, die, zwischen 1283 und 1290 entstanden, ihm das Rohmaterial lieferte, dem er den dichterischen Lebensatem einhauchte.Während eines Kuraufenthalts in Marienbad, Juli 1845, formen sich die ersten skizzenhaften Umrisse der dramatischen Gestalt. Die Vorbereitungen zur Dresdner Uraufführung des 'Tannhäuser schieben die endgültige Niedersdirift des Textes bis in den November 1845 hinaus. In diesem A4!onat liest Wagner seine Dichtung einem Kreis von Freunden und Bekannten vor, darunter auch Robert Schumann. Der Eindruck ist, vor allem bei den anwesenden Malern, tief. Auch Wagner selbst ist befriedigt. Ein Brief an seinen Bruder Albert Wagner gewährt Einblick in die innere Entstehung des Werkes: Du weißt, welche Sorge mich manchmal beschlich, nach dem Tannhäuser keinen Stoff wieder zu finden, der ihm an Wärme und Eigentümlichkeit gleichkomme; - je näher ich mich nun aber mit meinem neuen Stoff vertraut machte, je inniger ich die Idee erfaßte, desto reicher und üppiger ging mir dessen Kern auf und entfaltete sich zu einer so vollen, schwellenden Blume, daß ich mich in ihrem Besitze wahrhaft glücklidi fühle. Meine Erfindung und Gestaltung hat bei dieser Schöpfung den größten Anteil; das altdeutsche Gedicht, welches uns diese hochpoetische Sage bewahrt hat, ist das dürftigste und platteste, was in dieser