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DER LOUVRE
Museen - sie gehören heute zu den Selbstverständlichkeiten. Wir Menschen des 20. Jahrhunderts reisen gern; wir sind bildungshungrig; wir empfinden uns als kulturverbunden. Diese geistige Aufgeschlossenheit auf breitester Basis ist jedoch relativ jung. Denn in früheren Jahrhunderten beschränkte sich die Bildung auf einen recht kleinen Kreis privilegierter Menschen. Die Hochgestellten sammelten damals nicht in erster Linie künstlerisch wertvolle Werke, sondern irgendwie seltene Stücke, die sie dann in ihren «Kunst- und Raritätenkammern» oder auch «Wunderkabinetten» aufbewahrten. Und aus diesen erwuchsen dann langsam die Museen, in denen aber noch bis tief in die Neuzeit hinein der Begriff der Rarität eine größere Rolle spielte als der eigentliche ästhetische Wert.
Aber von der Renaissance an macht sich neben dieser fast kritiklosen Anhäufung von Seltenheiten ein Zug zu zielbewußtem und wertendem Sammeln bemerkbar. Es waren nun in erster Linie große Gelehrte, die von Fürsten als Berater herangezogen wurden und die teUs auch für sich selbst mit Sinn für das Wesentliche zu sammeln begannen. Erstmals tauchen nun auch kunstgeschichtliche Abhandlungen auf, die nach geistigen und formalen Zusammenhängen suchen, die den Grundstein zur Stilkunde legen und die überhaupt das Künstlerische nicht mehr bloß vom Standpunkt des Seltenheitswertes aus betrachten. Die aus Gelehrtenstuben erwachsenen Bücher fanden schon deshalb eine gewisse Resonanz, weil sich inzwischen die Wissensbasis verbreitert hatte: auch das gehobene Bürgertum begann nun vermehrt zu lesen und sich für geistige Dinge zu interessieren. So erstaunt es auch nicht, daß die ursprünghch nur ihren Besitzern und deren Freunden zugänglichen Sammlungen ungefähr von der Mitte des 18. Jahrhunderts an auch da und dort für die große Allgemeinheit geöffnet wurden. Das Museum war damit geboren.
Im Zeichen einer ähnhchen Entwicklung steht auch der Louvre. Die Geschichte dieses Baues, der das heute wohl berühmteste Museum Europas beherbergt, ist lang und komph-ziert. Ursprünglich handelte es sich um eine Festung, die, 1204 begonnen, das rechtsufrige Herz von Paris schützen sollte. Das Bauwerk, dessen spätere Erweiterungen es schließlich zum größten Palast der Welt gemacht haben, wies im Mittelalter zahlreiche Wehrtürme auf, die namenthch etwaige Angriffe von der Seine her verhindern sollten. Jeder König
Hyacinthe Rigaud (1659—iriS) : «Ludwig XIV.» (Text Seite 76).