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Von der Festung zum Museum : acht Jahrhunderte Geschichte
Im Laufe ihrer achthunderjährigen Geschichte waren die Mauern des Louvre Zeugen zahlreicher Ereignisse der französischen Geschichte - vom Mord von Cohgny, der Leidensgeschichte Heinrich IV. bis hin zur zweiten Hochzeit Napoleons. Kein einziger Herrscher wollte es unterlassen das Gebäude seinem Sinn nach zu prägen.
Am Ende des XII . Jahrhunderts lässt Philippe Auguste eine Burg auf einem bereits 'Louvre' genannten Ort errichten. Beinahe zwei Jahrhunderte später wird diese etwas abweisende Festung zum königlichen Sitz - " strahlend und schillernd wie ein Email " - durch den Architekten des Königs Karl V., Raymond du Temple, umgebaut. Jedoch halten der Hundertjährige Krieg und die Loire-Schlösser die Könige weit entfernt vom Louvre auf. Dieser wird Arsenal und Gefängnis. Als sich François I. dazu entschliesst öfters in seiner " guten Stadt und Cité Paris " zu residieren, veranlasst er grosse Bauarbeiten, die das Gebäude in einen wirklichen Renaissance-Palast verwandeln. Sein Nachfolger Heinrich IL führt diese Arbeiten fort.
Jedoch ist es ein anderes Bauprojekt, nicht weniger königlich, das die architektonische Zukunft des Louvre auf Dauer bestimmen wird : tatsächlich führt die Errichtung ab 1564 des neuen, 600 m entfernten Schlosses der Tuilerien durch Katharina von Medici zu der Idee die beiden Paläste zu vereinigen. Dieses Projekt wird unter der Bezeichnung der " grossen Absicht " bekannt. Am Ende der Herrschaft Heinrich IV. sind die beiden Gebäude auf der Seine-Seite durch die berühmte Grosse Galerie verbunden. Unter der Herrschaft Ludwig XIII. und Ludwig XIV. — Verdoppelung des Lescot-Flügels durch Lemercier und Errichtung des Säulengangs durch Claude Perrault - werden die Arbeiten fortgeführt. Aber der Bau, der den Absolutistenkönig am stärksten interessiert ist zwanzig Kilometer von Paris entfernt : Versailles. Hiermit beginnt eine lange Zeit der Vernachlässigung in der der Louvre von allenmöglichen Leuten regelrecht überflutet wird. Und nicht nur von den offiziellen Künstlern selbst, die bereits seit der Herrschaft Heinrich IV. hier wohnten, sondern auch von Händlern, die ihre Buden mal dort mal anderswo aufl^auen.
Ab Ende des XVIII. Jahrhunderts ist die architektonische Geschichte des Louvre von der Idee eines Museums nicht mehr zu trennen. Tatsächlich beginnt man in ganz Europa von öffentlichen Ausstellungen der grossen Sammlungen der Prinzen und Päpste zu sprechen. In diesem Sinn beschliesst 1776 der Graf und königliche Vertreter der nationalen Gebäude von Angiviller die Grosse Galerie in ein Museum zu verwandeln. Hierbei muss gesagt werden, dass die Akademie der Malerei, die im Louvre untergebracht war, seit Jahren regelmässig die Werke ihrer Mitglieder in der Grossen Galerie bereits ausstellte. Die Französische Revolution verhindert die Eröffnung des Museum, aber die darauffolgende Epoche nimmt die Idee von Angivillers wieder auf und gründet offiziell am 6. Mai I79I das Zentrale Museum der Künste, das am IG. August 1793 eröffnet wird.
Durch die Siege Napoleons kommen Werke aus ganz Europa auf die Ausstellungswände bis sie I8I5 von den alliierten Mächten zurückgeforder werden.
Der Verdienst die " grosse Absicht " zu verwirklichen geht an Napoleon III., insofern dieser das Schloss der Tuilerien und den Louvre durch Nordflügel auf der Grundlage der Pläne Viscontis und, später von Lefuel, vereint. Im Jahre 1871 jedoch steckt die Pariser Kommune die Tuilerien in Brand : die dritte Republik Frankreichs entscheidet sich so für den Abriss der königlichen Stätte. Durch das Verschwinden des Schlosses der Tuilerien eröffnet sich eine Perspektive auf die Gärten der Tuilerien und, im Hintergrund, den Platz der Concorde und den Triumphbogen.
Im Jahr 1981 beschliesst der französische Staatspräsident François Mitterrand den Louvre ganz der Kunst und den Künsten zu weihen. Das Finanzministerium räumt daraufhin den von ihm besetzten Richelieu-Flügel. Der Architekt leoh Ming Pei entwirft ein umfassendes Projekt in dem die zentrale Pyramide im Napoleon-Hof nur ein von aussen sichtbares Zeichen darstellt. Innen werden sämtliche Sammlungen in renovierten Räumen neu verteilt. Nun kann das grösste Museum der Welt seine fünf Millionen Besucher pro Jahr empfangen.