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LOVIS CORINTH wurde am 21. Juli 1858 in Tapiau (OstpreuBen) geboren. Eng begrenzt war die Weltfür den kleinen »Luke«, wieihn die Eltern nannten. Da waren der váter* liche Bauernhof mit práchtigen Pferden, eine Lohgerberei mit grobschláchtigen Gesellen, ein Metzger und ein Zimmermann, die gelegentlich mit dem Vater Corinth verhandelten und mit dem Jungen ihre SpáBe trieben. Diese ersten Eindrücke habén sich tief eingeprágt; der alternde Künstler konnte sich noch gut erinnern an die eigenartigen Gefühle, die ihn packten, wenn ein Tier geschlachtet wurde. Wie gebannt sah er bei dieser Arbeit zu, erschrocken und vergnügt zugleich. Sicher waren es zum Teil auch diese Erinnerungen, die Corinth spáter veranlaBten, Szenen aus Schlachtháusern zu malen. Oft hatte der Knabe mit heim* lichem Grauen die in der Tenne aufgehangten ausgeschlachteten Tiere betrachtet. Den reifen Künstler reizte auBerdem noch die Farbenpracht des rőten Blutes, des violetten und peri* muttfarbenen Fleisches. Auch magdas Vorbild Rembrandts anregend gewirkt habén, dessen Bild eines geschlachteten Ochsen Corinth in Paris gesehen hatte.
Aus dieser kleinen Welt, in der der Junge sich wohlfühlte und die er als sein Reich betrachtete, wurde er plötzlich herausgerissen. Der Vater, der gewiB unter der Beschránktheit der Verháltnisse litt, hatte für seinen einzigen Sohn ehrgeizige Pláne: Luké sollte studieren. Er wurde nach Königsberg geschickt und besuchte dort das Gymnasium. Damit begann eine unerfreuliche Zeit. Die Schulkameraden hánselten den vierschrötigen Bauernjungen, der nicht einmal richtig hochdeutsch sprechen konnte. Das Verháltnis zu den Lehrern scheint auch nicht gerade erfreulich gewesen zu sein. Obwohl Luké bestimmt fleifiig war, gab es nur ein Fach, das ihm wirklich SpaB machte und in dem er den anderen überlegen war: das war der Zeichenunterricht. Noch ehe die Zeit des Abiturs heranrückte, wurde es ihm klar, daB er nur Maler werden wollte und konnte. Dem Vater fiel es sehr schwer, seine groBen Pláne aufzugeben und den Wunsch des Sohnes zu erfüllen. Er tat es schlieBlich doch, weil er sehr an seinem Kind hing und es zu nichts zwingen wollte. Zwischen Vater und Sohn herrschte ein sehr enges freundschaftliches Verháltnis. Mehrmals hat Corinth den Vater gemalt, Liebe und Stolz sprechen deutlich aus diesen Bildern.