Bővebb ismertető
Dic Schaffenszeit Lovis Corinths umfaík das letzte Viertel des 19. und das erste des 20. Jahrhunderts. Sein Werk gehört gleichermaBen dem altén wie dem neuen Jahrhundert an und ist - dem jeweiligen Blickpunkt der Kunstkritik entsprechend - als Vollendung des einen oder als Beginn des anderen akzentuiert und gewertet worden. Tatsáchlich steht seine Kunst am Ende des bürgerlichen Realismus, dokumentiert seinen Höhepunkt sowie seine Aufhebung in der deutschen Variante des Impressionismus und belegt zugleich den Anfang einer Entwicklung, die die subjektive Komponente im Kunstwerk hervorkehrt und die Gestaltungsmittel zur Steigerung des Ausdrucks einsetzt. Doch wáhrend die jungen, gegen jede Form der akademischen Ausbildung revoltierenden expressionistischen Maler am Anfang einer ganz neuen Kunst- und Gesellschaftsepoche zu stehen meinten, hat Corinth diesen Bruch für sich nicht akzeptiert und die Traditionen, aus denen er kam, nicht verleugnet. Obgleich die Krankheit von 1911 eine deutliche Neubesinnung und Wende markiért und das als expressionistisch zu kennzeichnende Werk Corinths aus seinem Altersstil erwachsen ist, stellt seine Kunst eine Einheit dar, da seine dem Impressionismus zugewiesene Maierei bereits Merkmale einer Ausdruckskunst trágt, wáhrend das Spátwerk noch immer auf der optisch-sinnlichen Erfahrung fuftt. Das pauschale Urteil des Expressionisten Ernst Ludwig Kirchner: Erst war er nur Mittelmafi, zuletzt ganz grofi ist genauso ungerecht wie die Einschátzung derer, die seinen Spátstil als pathologisches Spiegelbild des körperlichen Vcrfalls ablehnten. Corinth hat spát aus seiner Position als Lernender zu eigenstándigem Schaffen gefunden. Erst als Dreiftigjáhriger beendete er eine zwölf Jahre wáhrende Studienzeit. Vielleicht hat seine soziale Herkunft - er wurde als Sohn eines Gerbermeisters 1858 in dem ehemaligen ostpreuftischen Landstádtchen Tapiau geboren - zu dieser Wertschátzung der akademischen Lehrzeit beigetragen. Der Vater, den Liebe und Verstandnis mit seinem einzigen Sohn verbanden, schickte ihn mit ehrgeizigen Plánén auf das Königsberger Gymnasium und ermöglichte ihm danach die Ausbildung zum Maler. Die erst 1841 gegründete provinzielle Königsberger Kunstakademie, dic Corinth zunáchst vier Jahre lang absolvierte, hat ihm sicher kaum mehr als das technische Rüstzeug vermitteln können und auch den von Hause aus engen Gesichtskreis des jungen Mannes nicht wesentlich zu erweitern vermocht. Der 1876 nach Königsberg berufene Weimarer Maler Ottó Edmund Giinther bereicherte die akademische Historienmalerei nach Ordensburgmotiven wenigstens um eine Genrekunst in der Nachfolge von Knaus und Vautier. Eine Studienreise, die Giinther mit einigen Schiilern über Berlin nach Weimar unternahm, war wohl das einzige nachhaltige Erlebnis Corinths wáhrend der Königsberger Zeit. Vor allém der Besuch bei dem Weimarer Kari Buchholz, dessen intimé realistische Landschaftsmalerei der Schule von Barbizon nahesteht, hat den jungen Kunstschüler beeindruckt. Dem Rat Günthers folgend, ging Corinth 1880 nach München. Diese Stadt hatte damals den Ruf einer weltoffenen Kunstmetropole, und ihre traditionsreiche Akademie galt als eine Ausbildungsstátte, die sich neuen Tendenzen nicht von vornherein verschloB. Allerdings war der Staat nicht bereit, einen sozial ausgerichteten Realismus zu tolerieren. Die grofíe Auseinandersetzung um Liebermanns als tendenziös gebrandmarktes Bild Der zwölfjáhrige Christus im Tempel 1880 im Bayerischen Landtag wird Corinth bereits die Gegensátze bewufk gemacht habén. Auch den bedeutendsten Vertreter des Münchencr Realismus, Wilhelm Leibl, hatte man schon 1873 in die oberbayerischen Berge und damit in die künstlerische Isolation getrieben. Das offizielle München huldigte dem altmeisterlichen Epigonentum des arrivierten Franz von Lenbach. An der Akademie dominierten mit ihrem Direktor Kari von Piloty eine theatralische, auf Sensationen ausgehende Historienmalerei und die sozial verbrámte Genrekunst Franz von Defreggers. Doch lehrte auch ein Künstler wie Wilhelm Diez, der an das belgische Genre und die kultivierte Tonmalerei der altén Hollánder anknüpfte, an dieser Anstalt. Er galt bei den Jungen als der bedeutendste Vertreter der damaligen Münchener Maierei. Corinth ging - nach einem kurzen Aufenthalt im Studienatelier bei Franz von Defregger - zu dem Diez-Schüler Ludwig von Löfftz, der ganz in der Art seines Lehrers malte. So vermochte die Akademie zumindest seinen Sinn für qualitátvolle Malkunst zu schulen. Entscheidend für seine Studienzeit wurde das künstlerische Érbe Wilhelm Leibls, das in München Wilhelm Trübner bewahrte. Allerdings war Trübners Maierei gerade in den achtziger Jahren unter dem Einflufi Böcklins in eine - wenn auch vorübergehende - Krise geraten. Corinth übernahm die Leiblsche Primamalerei, vermied aber dessen detailgetreue Feinmalerei durch eine groftzügige, an Courbets Spachteltechnik erinnernde Pinselführung. Von einem Kunstwerk erwartete Corinth nicht nur gute Maierei, sondern zugleich eine inhaltliche Aussage. So wurden für ihn jene Maler wichtig, die in der Nachfolge Millets mit tiefer menschlicher - wenn auch oft ins Sentimentale abgleitender - Anteilnahme das Leben der Bauern und Landarbeiter schilderten. Eines seiner frühen Hauptwerke, Das Komplott von 1884, knüpft an die Tonmalerei des Flollánders Jozef Israéls an, und auch Jules Bastien-Lepagc, der 1883 im Glaspalast seinen Bettler ausstellte, sowie Liebermanns Freilichtmalerei habén Corinth beeinfluík. Aber wie er sich mit der Maierei Wilhelm Leibls fast ausschlieíMich über das Werk Trübners auseinandersetzte, so hat er in seiner Studienzeit auch den Impressionismus wohl kaum in seinen eigentlichen Vertretern kennengelernt. Es