Bővebb ismertető
In der Malerei sind die Unterschiede leicht erkennbar. Dürer malte alles recht bedeutend und abwechslungsreich durch dichte Linienführung. Lucas' Bilder sind schlicht, und wenn sie auch gefällig sind, so zeigt doch die Vergleichung ihren Abstand von Dürers Werken. Philipp Melanchthon (1532)
Die Bürger des deutschen Arbeiter-und-Bauern-Staates sind die Erben der gesamten nationalen Uberlieferung, die mit dem nicht ganz kongruenten Namen »deutsche Renaissance« bezeichnet wird. Aber sosehr sie den Nürnberger Dürer, den Würzburger Grünewald, den Regensburger Altdorfer lieben und verehren - der auf der fränkischen Seite des Thüringer Waldes geborene Cranach, der den größten Teil seines Lebens in Wittenberg verbrachte und in Weimar begraben ist, steht ihnen besonders nahe. Viele Gemälde seiner Hand, seiner Werkstatt und seines Sohnes schmücken die Kirchen und die Museen der sächsischen und thüringischen Bezirke.
Cranach war keine der prometheischen Persönlichkeiten, die, wie man es von Dürer sagen darf, an Leonardo da Vinci und Michelangelo heranragten. Die für den Renaissancemenschen typische Aktivität hatte bei dem Wittenberger eine Neigimg zum Gewerblichen und Merkantilen. Der leonardeske Forscherdrang, von dem soviel in Dürer lebte, war dem Chef der renommierten Firma Cranach ebenso fremd wie Grünewalds mystisches Rebellentum. Zwanglos kann Cranach mit Altdorfer verglichen werden. Beide genossen als Ratsherren und Bürgermeister hohe Reputation, und beide bewährten sich trotz ihrer ausgeprägten Städte-bürgerlichkeit als innige Poeten der Natur, als Pioniere der Landschaftsmalerei. Cranachs Vater war ein Maler, von dessen Arbeit keine Spuren mehr zu finden sind. In dem Städtchen Kronach bei Koburg, keine hundert Kilometer nördlich von dem berühmteren Ort, wo Dürer 1471 geboren worden war, kam Lucas 1472 zur Welt. Von seiner Lehr- und Gesellenzeit wissen wir nichts Sicheres. Als einen weit überdurchschnittlichen Meister präsentiert ihn eine um 1500 gemalte »Kreuzigung« aus dem Wiener Schottenstift. Dieses Gemälde wäre kaum erklärlich, wenn man nicht eine Begegnung seines Schöpfers mit der das Rauhe und Außerordentliche bevorzugenden oberbayrischen und salzburgisch-passauischen Spätgotik vermutete. Aber auch Dürers »Apokalypse« und sein Holzschnitt »Marter der zehntausend Christen« sind als Richtungsweiser in Betracht zu ziehen. Und an Konfliktstoff, der sich in einer aggressiven Formensprache äußern wollte, fehlte es allenthalben in Deutschland nicht. Die Generation, »welche den Tag von Wittenberg in reifem Mannesalter erlebte, welche in ihrer inneren Verfassung die Bedingungen geschaffen hatte, durch die die Reformation aus einer theologischen Streitfrage zu einer Umwälzung des gesamten nationalen Lebens wurde« (Dehio), ergriff um die Jahrhundertwende das Wort und begann die elegante Sanftheit eines Schongauer und der burgundisch-niederländischen Schule zu verdrängen.
In Wien blühte damals unter Kaiser Maximilian I. der Humanismus. Diese wissenschaftlichliterarische Bewegung half dem aufstrebenden Bürgertum, sich gegen den Feudaladel zu behaupten und das Bildungsmonopol des Klerus zu brechen. Die Humanisten erhoben sich gegen die erstarrte Scholastik und fundierten in Anlehnung an das klassische Alter-
5