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A-nno domini 1523: Der Heilige Vater durchmißt den Raum. Sein Se-cretarius möchte am liebsten den Kopf schütteln - Klemens VH. geht schnell, zweifellos, und doch auch auf eine verwirrende Weise zögerlich, als sei ein Fuß dem anderen beim Voranschreiten im Wege; durch dieses anhaltende Eilen wirkt die Gestalt in sich zerrissen, gequält. »Höre es dir an, was sie wieder über uns gereimt haben, höre es dir an:
Ein Papsttum, reich an Hin- und Herberaten, An Meinungswechsel und an Klügelei'n, An Wenn und Aber, wie an Ja und Nein, Vielleicht und Doch und Worten ohne Taten.«
Der Sekretär schiebt die Hände tiefer in die Ärmel, senkt den Kopf und die Augenlider, um zu verbergen, wie treffend er diese Worte findet. Seine Vorsicht ist überflüssig, der Heilige Vater beachtet ihn gar nicht, sondem greift mit der beringten, fleischig-weichen Hand nach einem Faltblatt.
»Aber das hier, gedmckt im fernen deutschen Reich, das hier setzt allem die Krone auf! Müssen wir uns dergleichen bieten lassen?« Er schleudert das Papier durch den Raum, es schwebt tatsächHch, vom Zorn des Papstes wie beflügelt, und fällt dann langsam trudelnd vor die Füße des Sekretärs, der es mit spitzen Fingern aufhebt. Noch kommt er nicht dazu, es zu betrachten, denn Klemens erfordert seine ganze Aufmerksamkeit. Seiner Würde nicht achtend, reißt sich der Medici die weiche rote Samtmütze vom Kopf, drückt und dreht sie zwischen den Fingern und schleudert sie vehement zu Boden. Die heilige Gottesmutter hoch droben an der Decke lächelt gelassen - wenn man wissen könnte, was sie denkt! Die Haare Seiner Heiligkeit sind schweißnaß. Sein Atem keucht. Über dem köstlichen und kostbaren Kragen seines Gewandes steigt eine blaßrötliche Tönung auf, überfliegt sein Antlitz wie Sonnenlicht, wie Feuerschein, um endlich blaurot seine Züge zu entstellen, so daß sein Diener mit ausgebreiteten Armen hinzueilt, um den Erregten aufzufangen.
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