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DER THRONWECHSEL
Der Karfreitag des Jahres 1864, der 25. März, war in Mündien rauh und trübe. Große Menschenmengen, dunkel gekleidet, erfüllten flüsternd und wispernd die Gassen, ein unablässig wogendes Hin und Her zwischen den zahllosen Kirchen und Kapellen, durch deren offene Portale die Traueraufbauten der Altäre mit dem spärlichen Kerzengeflimmer der Passionswoche sichtbar wurden. Die Düsternis schien in diesem Jahre schwerer noch als sonst; denn vor zwei Wochen erst war der König des Landes, Maximilian IL, ganz unerwartet gestorben und die Ersdiütterung des plötzlichen Sdimerzes um den stillen, nobel bürgerlichen Herrscher vervielfachte die alljährliche des traurigen Feiertags.
Mitten in den dunkelflutenden Massen trieb ein Fremdling einher. Zwei Tage zuvor erst hatte er die Flucht vor seinen Gläubigern, ja, vor der Schuldhaft hier unterbrochen, um aussdilafen zu können. Erkältet überdies und im rauhen, oberbayerischen Wetter mit schmerzhaftem Katarrh kämpfend, fühlte er, ein kleiner, hagerer, ältlicher Mann, sich heute einmal wieder nahezu völlig verbraucht und am Ende überhaupt seiner Bahn, so daß er kurz zuvor in seinem Hotel, dem »Bayerischen Hof«, sich selbst eine Grabschrift gereimt hatte:
»Hier liegt Wagner, der nichts geworden. Nicht einmal Ritter vom lumpigsten Orden «
Nun aber trieb der Zufall den absichtslos in den Münchener Gassen Umherschweifenden hart an eine Fassade heran, an ein Schaufenster, und hier plötzlich traf sein unruhevoller Blidt auf das ausgestellte Bild eines ganz jungen Mannes in Uniform: ein noch unfertiges, sanft geformtes Gesicht, mit etwas breiten Backenknochen, von dunklen Locken umgeben, doch durch die großen, träumerisch aufgeschlagenen Augen sehr auffällig belebt — das Bild des neuen bayerischen Königs, Ludwig IL