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Versailles und Ludwig XV.
Nach dem Tode des Königs stand Versailles sieben Jahre leer -Versailles, Frankreichs schönes Verhángnis. Zugluft fuhr durch die goldenen Gemácher und kehrte aus, was dumpfig iri den Tafelungen brütete, Hexenkunst und Frömmelei. Ein neues Jahrhundert wehte herein und blies das alte fort. Ludwig XIV. starb 1715. Sohn, Enkel und áltesten Urenkel hatte er überlebt und zweiundsiebzig Jahre lang régiért, zu lange für das Wohlergehen seines Landes. Er hatte den Altersbrand und konnte vor záher Lebenskraft nidit sterben. Dr. Fagon verschrieb Eselsmilch. Endlich trat der Duc de Bouillon auf den Balkon, am Barett eine sdiwarze Feder. Untén wartete neugierig die Menge, ohne Trauer: Der König ist tot, ver-kündete er, trat zurück in den Palást, steckte sich eine weifie Feder an und kam wieder: Es lebe der König!
Die Regierung Ludwigs XV. hatte begonnen. Wie sein Urgrofi-vater war er fünf Jahre alt, als er den französischen Thron bestieg. Er hatte weder Eltern noch Gesdiwister, der unselige Fagon hatte sie alle unter die Erde gebracht. Er selbst ware kaum versdiont ge-blieben, hatte ihn nicht seine Pflegerin Dudiesse de Ventadour in jenen furchtbaren beiden Wochen verstedst, wahrend die Seinen, an den Masern erkrankt, den Aderlassen, den Brech- und Abführmit-teln jenes Fürstentöters erlagen. Der- Brúder seines Vaters lebte noch, der König von Spanien. Mehr Spanier als Franzose, safí er gefangen in der Etikette seiner Palaste. Der Knabe hat den Oheim nie gesehen. So wuchs er ohne Familie auf, das Lebenselement des Kindes, ohne Liebkosungen, ohne einen Klaps. Zunachst mufi er am Leben bleiben, fand Madame de Ventadour - >notre capital est de vivre< - und liefi ihm in allén Dingen seinen Willen. Mit sieben Jahren wurde er ihr genommen und einem Hofmeister übergeben.