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Das Laboratorium der Schöpfung
Eine Entwiclilung von unabsehbarer Tragweite beginnt sich abzuzeichnen: Biologen entdecken »technische Erfindungen« der Natur, die Ingenieure bislang für utopisch gehalten haben. Deshalb lohnt es sich, in dem großen Laboratorium, in dem die Schöpfung schon seit drei Milliarden Jahren mit bestem Erfolg experimentiert, zu spionieren.
Alljährlich treffen sich in Dayton, Ohio, mehr als 2000 Biologen und Techniker aus allen Teilen der Welt, um Erfahrungen über die gemeinsame »Werkspionage« im Reich der Natur auszutauschen. Bezeichnend ist, daß hierbei ein Spezialgebiet über alle anderen dominiert: die Erforschung der Sinne bei Tieren und Menschen und die Versuche, uns derzeit noch unbegreiflich erscheinende Spitzenleistungen von Sinnesorganen künstlich nachzubilden.
Wenn es gelingt, magnetische und elektrische Sinne, Wärmeaugen, Schmetterlingsantennen, Bildhörer, Musterdetektoren, elektronische Instinkte und künstliche Intelligenz technisch in den Griff zu bekommen, wären die Folgen kaum abzusehen. Ein vollautomatischer Kraftwagen, der ohne menschliche Hilfe sicher durch dichtes Verkehrsgewühl steuert, eine künstliche Hundenase, die getauchten U-Booten durch die Weltmeere folgen oder Verbrecher entlarven kann, ein Roboter mit Sprachverständnis, der die Stenotypistin im Büro ersetzt, ein Tastgerät zum Vorhersagen von Erdbeben und viele andere Dinge würden das Gesicht der Welt verändern.
Gleichzeitig dringt die Forschung tiefer in die rätselhafte Welt der Sinne vor. Ungeahnte Dinge tun sich vor uns auf: Zum erstenmal bekommen wir einen umfassenden Begriff davon, daß unsere natürlichen Sinne gar nicht so »natürlich« sind, sondern eher etwas Magisches. Die Tatsache zum Beispiel, daß unser Gehirn aus den Nervensignalen des Auges eine bildhafte Vorstellung entwickelt, ist eine kaum faßbare und im Tierreich recht seltene Spitzenleistung. Frösche, Bienen und Tiefseefische sehen ganz andere Welten. Wie diese beschaffen sind, beginnen wir erst Jetzt langsam zu begreifen.
Worauf beruht das Phänomen des Schmerzes? Wie verändern seelische Einflüsse die Sinneseindrücke? Mit welcher Technik hat die Natur »übersinnHche Sinne« bei fremdartigen Tieren realisiert? Wie navigieren weltreisende Vögel? Gab es ein »drittes Auge«? All dies sind Fragen, die Gegenstand intensiver wissenschaftlicher Forschung sind.
Von diesem großen geistigen Abenteuer an den ständig weiter