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Michael Glasmeier - Magie des Buches [antikvár]
 
ZUR AUSSTELLUNG »Lieber barfuß als ohne Buch« (Isländisches Sprichwort) Viel Kluges ist von »Buchmachern« über den »Homo legens«, den Menschen als Leser oder den Leser als Mensch geschrieben worden. Das Lob des Buches füllt inzwischen selbst wieder Bücher. Ein weniges davon ist in diesem Katalog abgedruckt. Besser als unsereinem gelingt es den Frauen und Männern von der schreibenden Zunft das richtige Wort zu finden, das treffende Wort, das die Kraft der Überzeugung in sich trägt. Deshalb sei ihnen auch das Wort überlassen,...
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ZUR AUSSTELLUNG »Lieber barfuß als ohne Buch« (Isländisches Sprichwort) Viel Kluges ist von »Buchmachern« über den »Homo legens«, den Menschen als Leser oder den Leser als Mensch geschrieben worden. Das Lob des Buches füllt inzwischen selbst wieder Bücher. Ein weniges davon ist in diesem Katalog abgedruckt. Besser als unsereinem gelingt es den Frauen und Männern von der schreibenden Zunft das richtige Wort zu finden, das treffende Wort, das die Kraft der Überzeugung in sich trägt. Deshalb sei ihnen auch das Wort überlassen, wenn es um Wert oder Unwert des Buches, um Sinn und Bedeutung des Lesens im Zeitalter elektronischer Medien geht. Vor 70 Jahren war es für die Futuristen zwar eine Forderung, aber noch Utopie »die traditionelle Buchform zu sprengen , die Unendlichkeit der Bücher zu überwinden« durch die »Elektrobibliothek«. (El Lissitzky, Manifest »Topografie der Typografie«.) Heute befürchten viele, daß wir uns in einer Zeit der lautlosen Zerstörung des Buches befinden, daß immer »fortschrittlichere« Entwicklungen das Ende des Buches absehbar machen und damit das Ende einer Epoche der Kulturgeschichte. Im augenblicklichen Zeitpunkt der Verwandlung der Medienlandschaft vom Buch zur Elektronik, ein Wandel, der in Industrie und Technik weitgehend vollzogen ist und der sich auch in unserem kulturellen Rezeptionsverhalten bemerkbar macht, schien es uns geeignet, ja notwendig, mit einer Ausstellung an die Magie des Buches zu erinnern. Flaubert hat sie beschrieben, diese magische Wirkung: »Die einzige Art das Dasein zu ertragen, besteht darin, sich an der Literaturwie in einer ewigen Orgiezu berauschen.« Bilder sind wie Bücher: Man muß sie lesen können und wollen. Bilder mit Lesenden bezeichnen so gut wie das geschriebene Wort ein Stück Kultur- und Gesellschaftsgeschichte. Auch wenn sich diese Ausstellung (- und das vor allem aus finanziellen Gründen -!) auf Darstellungen des 19. und 20. Jahrhunderts beschränkt, also keine vollkommene Geschichte des Leser-Bildes vermittelt, läßt sich doch zumindest für diesen Zeitraum Entscheidendes über Lesegewohnheiten aus den Bildern herauslesen. Leser sind Individualisten. Sie kehren sich ab von der Menge, sie sind »anderswo«, nämlich in der Welt ihres Buches. Wo und was auch immer sie lesen, sie tun es meist allein. Auch wo gelegentlich Paare dargestellt sind, von denen einer liest, stellt sich diese Isolation ein; Buch oder Zeitung werden zur Trennwand, hinter die man sich vor dem anderen zurückzieht. Einzig das Lesen des ebenso aktuellen wie kurzlebigen Massenmediums Zeitung vollzieht sich verstärkt auch in der Öffentlichkeit: Im Gafehaus oder In öffentlichen Verkehrsmitteln. Seit es Bücher gibt, waren Maler und Bildhauer fasziniert von der Darstellung des Lesers und des Buches. Sie schildern den Akt des Lesens selbst oder den Moment des Nachdenkens, der Reflexion über das Gelesene. Sie zeigen die Umgebung, In der gelesen wird und die Haltung der Lesenden: Schule, Studier- und Arbeitszimmer als Orte, wo gelesen werden muß und sie zeigen Situationen des Lesendürfens: im bequemen Lehnstuhl oder auf dem Sofa Im Wohnzimmer, am Küchen- oder am Frühstückstisch, im Bett, am Fenster, im Garten, am Strand, auf der Parkbank, im Gafé, nur den Ort - das Örtchen - an dem angeblich auch viel gelesen wird, den zeigen sie nicht. Bilder sagen auch etwas aus über Intensität und Wirkung des Lesens: Aufmerksames Lesen oder ein flüchtiger Blick auf aufgeschlagene Seiten, Anspannung oder Entspannung, Berührtsein bis zum Gerührtsein, Betroffenheit, Ernst oder Heiterkeit. Es gibt auch Darstellungen, in denen Personen das Buch nur als Attribut für Bildung und Gelehrsamkeit beigegeben wird, oder solche, wo das Buch wie irgendein anderes Accessoir - etwa Fächer, Tuch, Handschuh, Frucht oder Blume - behandelt wird, um der Figur »etwas in die Hand« zu geben, ohne daß irgendein Bezug zwischen Porträtiertem und Buch besteht. In Stilleben erscheinen Bücher mit programmatischen Titeln, die über die Zeitgeschichte oder die persönliche Befindlichkeit des Künstlers Auskunft geben, gelegentlich im Sinne von Tagebuchnotizen, gelegentlich aber auch, wie in den Vanitasstilleben, als Hinweis auf die Endlichkeit des Lebens. Bücher-Stapel und Bibliotheksausschnitte verweisen auf die Sonderlinge unter den Lesern: die Bibliophilen und die BIbliomanen, die Bücherfreunde und die Büchernarren. Bücher begleiten unseren Lebenslauf von der Kindheit bis ins hohe Alter. Gedrucktem begegnen wir In unserem Tageslauf von früh bis spät: von der Morgenzeitung über die Reklame, die unsere Städte in riesige Druckwerke verwandelt, bis zur Bettlektüre. Das gedruckte Wort Informiert über Zeltliches und Ewiges, über spezielle Sachgebiete, über Religion und Weltanschauung, über Vergangenes und Gegenwärtiges, es führt ein in abstraktes Denken, es gibt Auskunft über Land und Leute hier und anderswo oder es dient »einfach nur« der Unterhaltung. Lesen als geistiges Abenteuer umfaßt sowohl die »unbeschreiblich hohen Werke« als auch die Trivialllteratur. Lesen das ist: ein Ausstieg aus der Misere des Alltags, eine Quelle des Traums und der Verzauberung, ein Weg zur Selbstbesinnung, ein Fidibus zum Entzünden der Phantasie, ein Angriff auf unser Gemüt, Lesen das Ist: Erbauung, Erheiterung, Nervenkitzel, Stillung eines »unnützen«

Termékadatok

Cím: Magie des Buches [antikvár]
Szerző: Michael Glasmeier , Peter Bichsel Siegfried Salzmann
Kiadó: Städtische Kunsthalle
Kötés: Ragasztott papírkötés
Méret: 210 mm x 260 mm
Michael Glasmeier művei
Peter Bichsel művei
Siegfried Salzmann művei
Bolti készlet  
Vélemény:
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