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Erfreulich bei den Jüngsten: der Wille zur Sachlichkeit. Kein Schwelgen mehr in ,kosmischen Visionen' und .mystischen Verzückungen'. Und vor allem nicht mehr die an Verfolgungswahn grenzende Angst vor dem Gegenständlichen" konstatierte 1920 ein Kunstkritiker im „Cicerone". Das war nur eine von vielen Stimmen aus dem Chorus derjenigen, die die expressionistische Avantgardekunst eilfertig zu Grabe trugen; mit Wilhelm Worringer war auch einer ihrer eifrigsten Wortführer unter ihnen. 1920 war das Jahr der proklamierten Abkehr vom Expressionismus und der offensichtlichen Stilwandlung in der deutschen Malerei. In den Bildern der um 1890 geborenen nachexpressionistischen Künstlergeneration begrüßte die Kunstkritik vielstimmig die Sachlichkeit und das Gegenständliche als die auffälligsten Merkmale der neuen Wirklichkeitskunst. Erste Anzeichen dafür hatte es bereits vor dem ersten Weltkrieg gegeben, als Max Beckmann in Paul Cassirers Zeitschrift „Pan" 1912 in seiner mit Franz Marc geführten Debatte vom Künstler an Stelle der mythischen Innerlichkeit die realitätsnahe Objektivität gefordert hatte. Im selben Jahr verließ Alexander Kanoldt aus Opposition gegen den abstrakten Expressionismus Wassily Kandinskys die „Neue Künstlervereinigung München". Das aufreibende Existenzerlebnis moderner Urbanität und das mörderische Inferno der Materialschlachten des Krieges verschärften die geistigen Widersprüche des künstlerisch so aussagekräftigen, doch zwischen Abstraktion und Realität hin und her gerissenen Expressionismus aufs äußerste. Der Zusammenbruch seiner apokalyptischen Erwartungen und utopischen Zielsetzungen ließ nicht mehr lange auf sich warten. Als 1918 die Ära des wilhelminischen Kaiserreiches zu Ende ging, attackierten die Berliner Dadaisten Hausmann, Grosz und Heartfield in ihrem von Richard Huelsenbeck verfaßten „Dadaistischen Manifest" die Expressionisten in polemisch zugespitzter Form: „Haben die Expressionisten unsere Erwartungen auf eine Kunst erfüllt, die uns die Essenz des Lebens ins Fleisch brennt? Nein! Nein! Nein! Unter dem Vorwand der Verinnerlichung haben sich die Expressionisten in der Literatur und in der Malerei zu einer Generation zusammengeschlossen, die heute schon sehnsüchtig ihre literatur- und kunsthistorische Würdigung erwartet und für eine ehrenvolle Bürger-Anerkennung kandidiert. Unter dem Vorwand, die Seele zu propagieren, haben sie sich im Kampfe gegen den Naturalismus zu den abstrakt-pathe-tischen Gesten zurückgefunden . " Tatsächlich erlebte die Kunst des Expressionismus während der Novemberrevolution noch einmal eine letzte kosmische Ekstase, die rasch verflog. Sachlichkeit und Realitätssinn signalisierten zu Beginn der Weimarer Republik 1919 eine neue Haltung vieler Künstler zur zeitgenössischen Wirklichkeit, die zugleich auch Ausdruck eines allgemeinen geistigen Umschwunges war.
Aus den satirischen Materialexperimenten des Berliner Dadaismus und dem politischen Engagement der linken Expressionisten kamen die ersten nachhaltigen Impulse für einen neuen Realismus. Aus ihren Reihen formierten sich die führenden Vertreter des Verismus in der Kunst der frühen zwanziger Jahre. In ihren aggressiven Bildpamphleten führten die Maler Dix, Grosz, Griebel, Schlichter und Scholz der entsetzten Öffentlichkeit das vom Ausverkauf tradierter Werte und von sozialer Erniedrigung entstellte Antlitz der Nachkriegszeit kraß und schonungslos vor Augen. Von Anbeginn zeigte nämlich die neue sachliche Wirklichkeitskunst, die mit dem Naturalismus und Realismus des 19. Jahrhunderts wenig gemein hatte, einen Januskopf, der in seiner Zwielichtigkeit früh erkannt wurde. Bereits 1922 unterschied der Kunsthistoriker Gustav Friedrich Hartlaub in Paul Westheims Umfrage „Ein neuer Naturalismus?" im „Kunstblatt" zwei gegenläufige Tendenzen innerhalb der nachexpressionistischen Kunst: „Ich sehe einen rechten, einen linken Flügel. Der eine konservativ bis zum
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