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Geschichte - Kunst - Kultur
Anfänge balearischer Besiedlung
»Es liegen vor Iberia verschiedene Inseln, die die Griechen Gimnesias nennen, weil ihre Bewohner im Sommer nackt herumlaufen, und die Eingeborenen Balearen, weil auf der Welt niemand wie sie so große Steine mit Schleudern zu werfen versteht. Beide Inseln zusammen haben mehr als 30000 Einwohner. Die Inselbewohner leben in Felshöhlen, die sie an Steilufern und unterirdisch zu ihrem Schutz und zur Sicherheit graben. Auch unterscheiden sie sich in der Bestattung ihrer Toten von anderen Völkern. Die Leichen werden zerteilt und in eine Urne gelegt, über die dann große Felsbrocken aufgeschichtet werden. Ihre Waffen sind Schleudern, mit denen sie große Steine gegen ihre Feinde schleudern.« (Timaios, 4./3. Jh. v. Chr., zitiert von Diodorus von Sizilien)
Mit der Erwähnung von Felshöhlen lenkt Timaios unsere Betrachtung auf die Anfänge balearischer Besiedlung, auf die Zeit der Höhlenkultur, die nach gesicherten C 14-Daten (Radiocarbon-Analysen) ins 6. Jahrtausend v. Chr. anzusetzen ist. Es war die Zeit des frühen Neolithikums, als - sehr wahrscheinlich aus Nahrungsnot - Menschengruppen einer frühneolithischen Zivilisation nach neuen Jagdgründen suchten oder aufgrund irgendwelcher bisher nicht erfaßbarer Umweltveränderungen aus dem Räume der Provence und über den Golf von Lyon als Ausgangspunkt auf dem Seewege die Balearen erreichten -möglicherweise zur gleichen Zeit wie auch Malta, Sardinien und Korsika. Damit scheidet endgültig die überholte Lehrmeinung einer Invasion späterer, früh- bis mittelneolithischer El-Argar-Siedlergruppen aus Südostspanien aus. Vielmehr gibt es viele detailreiche Beziehungen und Verwandtschaften mit dem südfranzösischen Neolithikum und dessen Ausdrucksformen im Chasseen-Typ (Chassey-Kultur, Mitte 5. bis Mitte 4. Jahrtausend v. Chr.). In leichten Holzbooten, getrieben vom Tramontana-Wind, mögen sie erst angstvoll an den Küsten der Balearen gestrandet sein, bis sie erfreut feststellen konnten, daß es in vielen Buchten, an Steilfelsen und oft bis hinunter zur Wasserlinie (sie lag damals mehr als 30 m tiefer) weit im Fels, durch Wasser und Kuppeleinbrüche hervorgerufen, genügend Höhlen gab, die Schutz vor Feuchte, Kälte, Wind und den Angriffen wilder Tiere boten. Als dann weitere Gruppen, angezogen von den Siedlungsmöglichkeiten in einem angenehmen Klima und mit genügend jagdbarem Wild, auf den Balearen eintrafen - auf Mallorca und Menorca vornehmlich -, wurden die natürlichen Höhlen oder Höhlensysteme künstlich erweitert, unterteilt, Rauchabzugslöcher geschlagen und bequeme Eingänge, ja sogar
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