Bővebb ismertető
Vorwort Die Bergpredigt ist durch die Friedensdiskussion ins Kreuzfeuer geraten. Die einen tragen sie wie einen Schild des Glaubens vor sich her, die anderen behaupten, man frage viel zu schnell nach ihrer Verwendbarkeit. Die Bergpredigt dürfe nicht aus ihrem historischen Zusammenhang gerissen werden, sie sei eine Sammlung von Modellbeispielen der Urgemeinde, die nicht so ohne weiteres auf unser Heute angewendet werden könne. Ich halté fest: Die Bergpredigt ist eine Sammlung von zumeist historischen Worten Jesu, die bei Lukas in anderen Zusammenhángen stehen und bei Johannes noch anders aufgenommen und weiterverarbeitet werden. Es gibt keinen Grund, die Bergpredigt aus dem übrigen Bericht über Jesus aus Názáret herauszunehmen und auf einen besonderen Ehrenstuhl zu setzen. Die Bergpredigt will ein Katechismus der Ur-Christenheit sein. Sie gibt - dies in der Meinung des Mattháus - bedeutende Anweisung zum konkrétén Leben der Christen! Die Bergpredigt zeigt in ihrem Aufbau, dafi sie nicht die Verscharfung des Gesetzes auf einige Radikalismen will. Sie möchte zu Erfahrungen des Reiches Gottes im Detail ermutigen. Vier grofie Abschnitte lassen sich erkennen: Der Einladung (5,3-16) folgen ein Lehrabschnitt (5,17-48), die Anweisung zum Leben (6,1-7,11) sowie abschliefiende Mahnungen (7,12-28). Die Bergpredigt ist Predigt und zugleich Spiegel der Predigt des historischen Jesus von Názáret, sein Programm! Sie ist von seinem übrigen Leben, seinem Tun gegenüber Kranken und Armen, von seinem Sterben und Auferstehen, nicht zu trennen. Jesus legt in der Bergpredigt seinen Weg zu den Menschen, den er im Auftrage Gottes vertrauend geht, selbst aus. Zwischen der Bergpredigt Jesu und alttestamentlichem Gedankengut sowie der übrigen Literatur des Neuen Testaments bestehen enge Beziehungen. Vieles, was Jesus sagt und tut, wird im Altén Testament vorbereitet und entwickelt. Gedanken Jesu finden ihre Parallelen bei seinen rabbinischen Zeitgenossen. Paulus und andere Briefschreiber des Neuen Testaments entwickeln Ideen der Bergpredigt weiter. So ist die Bergpredigt kein erratischer Block im Verkündigungsgeschehen der Bibel, allerdings jedoch eine ihrer zentralsten Aussagen, in der sich die Predigt und das Wirken Jesu erklárt und verdichtet und so Christen zur Nachfolge des gekreuzigten Auferstandenen bewegen will. Sie will im Heute der Gesellschaft an die Verheifiung Gottes erinnern und dazu ermutigen, sie zu leben. Sie möchte die Kraft zusprechen, zu lieben und den Frieden zu verwirklichen, Sie ládt zu Versöhnung und Verzicht auf Selbstbehauptung ein. So bittet sie, in die Spur des Mannes aus Názáret zu treten. Dessen Vertrauen zum Vater ist der Grund aller Hoffnung, eine Einladung, das Böse mit dem Guten zu überwinden (Römer 12,21). Die Texte der Bergpredigt gelten dem Wir der Gemeinde. Damit ist der einzelne angesprochen und zugleich die Gruppé, die Kirche, die Gesellschaft. Vor falschen Altemativen sollten wir uns hüten. Die Bergpredigt will weder eine geistliche Hausapotheke noch ein direktes Gesellschaftsprogramm sein. Ihre Bilder und Beispiele machen deutlich: kein einziger Lebensraum darf aus dieser herannahenden Gottesherrschaft ausgespart bleiben, weder das Priváté noch das Politische. Die Bergpredigt entwirft insgesamt ein Bild des Vertrauens, vor dem Ángste, Miíkrauen, Hal? und Gewalt ihren Boden unter den FüfSen verlieren. Der Weg, zu dem sie einladt, ist nicht leicht. Notwendige Veránderungen im Denken und Tun der Menschen rufen stets Widerstánde und damit Leiden und Verfolgung hervor, wie an Jesus selbst abzulesen ist. Aber mitten auf diesem mühevollen Weg des Vertrauens erfahren wir Menschen etwas Neues: Reich Gottes! Manchmal ist der Hímmel über uns offen! Ich würde mich freuen, wenn Texte und Bilder dieses Buches dazu anregten, den Weg des Bergpredigers neu zu entdecken und, in kleinen, bescheidenen Schritten, mitzugehen! Bünde, im Januar 1984Dieter Stork