Bővebb ismertető
Sollten diese Papiere die Jahrhunderte überdauern und in die Hánde von Historikern fallen, wird man sie, dabin ich, Friedrich, sicher, als Fálschungen abtun. Man wird sie - je nach Parteinahme für oder gegen mich, und das heiBt: für den Staat und gegen die Kirche oder für die Kirche und gegen den Staat - als die schamlose Besudelung eines deutschen Kaisers diffamieren, der über das Erdenrund hindröhnte, oder sie als die unzulássige Vermenschlichung eines sizilischen Tyrannen anprangern, der den Willen aller brach und den eigenen vergottete. Den Vorwurf der Fálschung werden die Historiker aus der unwiderlegbaren Behauptung herleiten, sie könnten diesen Friedrich in ihren Urkunden nicht finden. Das und auch die, so werden sie sagen, offenkundige Bemühung des unbekannten Autors um einen wissenschaftswidrigen Schreibstil, der mehr an Suetonschen Sensationen als an der Sachlichkeit des groBen Thukydides orientiert sei, wird ihnen für ihr Urteil genügen. Solche Historiker treiben die Namen geschichtsmáchtiger Herrscher, mit denen sie sich von Berufs wegen befassen müssen, entsprechend der eigenen Parteinahme als goldene oder bloB kupferne Nágel in die Wánde ihrer Denkgebáude und bemerken nicht, daB die Nágel, ob golden oder kupfera, unter den tönenden Hammerschlágen der vermeintlichen oder wirklichen Fakten, die man aus Staatsurkunden gewinnt, krumm werden. Solche Nágel haltén nur papierene Lebensbilder aus. Was nicht heiBen soll, daB diese darum auch falsch seien; aber sie sind bloB grobe Kontúr, ohne die das Leben ausmachenden Details aus feinstrukturiertem Licht und Schatten. Man kann auch sagen, sie zeigen den Herrscher als Skelett, ohne Muskeln und Fett, alsó eigentlich tot. Und weil sie das selber spüren, kommen sie nicht ohne Sprachfett aus, mit dem sie die Gelenke ihrer Faktenskelette reichlich schmieren, damit sie nicht gar so beinern klappern und die Leser vertreiben. In meinem Fali ist das die sprachliche Dámonisierung meines Lebens, die sich in dem MaBe steigert, wie GewiBheit über Privates fehlt. Was sie schon heute über mich schreiben und was mich mehr in Himmel oder Hölle als auf Érden ansiedelt, das muB sich mit der wachsenden zeitlichen Entfernung der Geschichtsschreibung von ihrem Objekt und einer damit Hand in Hand gehenden Verschüttung der Quellen eher steigern in der Unsinnigkeit meiner Entrückung von so allgemeinen menschlichen Verhaltensweisen wie essen,