Bővebb ismertető
Auf den Spuren von Marcel PrawyChristoph Wagner-Trenkwitz: Glaub nie, was dasteht "E^ If Uhr nachts. Mein Telefon läutet. Geliebtester, was hältst du von dem Baß?" vEs ist die fidele Stimme Marcel Prawys, seine unverkennbare Anrede, die er nicht nur mir schenkt. Steigerungen sind möglich: Allergeliebtester" nennt er einen, wenn die Zeit knapp wird. Er muß mich in der Opernvorstellung an diesem Abend gesehen haben. Wahrscheinlich im Saal, von seinem Stammplatz aus: Wie eingebaut in die äußerste Ecke der Direktionsloge horcht und herrscht er dort seit Ewigkeiten. Erst seit ich die Ehre habe, ihm in dieser Loge bisweilen Gesellschaft zu leisten, weiß ich, daß er ein recht imbequemer Sitznachbar sein kann. Er braucht Raum: für seine Beine, für eng beschriebene Notizfetzen, mehrere Exemplare des aktuellen Abendzettels, den Kalender, das unvermeidliche Plastiksackerl, aus dem er bisweilen Uberraschendes zutage fördert: etwa Schokoladehasen am Ostersonntag, mit denen er die Belegschaft beschenkt. Er schenkt auch, noch willkommener, Kommentare, Hinweise: Hier ist die Klatsch-Stelle ", zischt es, wenn den alten Herrn die Erinnerung an seine Claque-Kindheit übermannt - aber nur, wenn die Jeritza es singt." Zumeist aber ist er ganz dem Klang hingegeben, scheint dabei manchmal einzunicken. Wenn es ums Applaudieren geht, ist er stets wach, wobei der Kopf oft tiefer liegt als die applaudierenden Hände. Er applaudiert sozusagen über seinen Kopf hinweg, schaut unter seinem Applaus durch.Beschreiben war ihn erst einmal so: Anerkennung spenden geht ihm über alles, darunter wachen scharfe Augen (der Fünfundachtzigjährige benötigt keine Brille) und Ohren (sein Werkzeug; als Beruf gibt er gerne Zuhörer" an). Glauben Sie aber nicht, wenn behauptet wdrd, er sitze jeden Abend nur in der Staatsoper, der Doyen vom Opernring schleicht sich oft von diesem fort, manchmal mitten im Akt; zu einem Tina-Turner-Konzert etwa, wo er studiert, wie die Profi-Entertainerin das Publikum fesselt und warum; zu einer Jazzband irgendwo in den Außenbezirken, die er eventuell in seiner nächsten Show verwenden könnte. Vielleicht hat er mich auch vom Büffet im Marmorsaal aus wahrgenommen, als er zwischen dem vorletzten und letzten Pausenläuten zwei in Schokolade getunkte Erdbeeren mit Putz und Stingel verdrückt hat. Glauben Sie ihm übrigens nicht, wenn Marcel Prawy sagt, er esse nur drei Dinge. Er ißt alles, nur nicht gerne