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Y/ Humanismus, Freude am Schönen,< Ehrfurcht vor den Gesetzen des Materials und seiner Bearbeitung sowie virtuose Technik kennzeichnen die Werke der Keramikerin Margit Kovács, des jüngsten Mitgliedes einer Trias, der die moderne ungarische Keramikkunst zu verdanken ist: István Gádor, Géza Gorka und Margit Kovács. Die zarte, aber dennoch kraftvolle, zielbewuBte Künstlerin meisterte sowohl Rundplastik und Relief als auch Fliesen mit in Ton geritzter Zeichnung, auf der Töpferscheibe hergestellte, impastierte GefaBe ebenso wie die Mischung fein nuancierter Glasuren. Im Mittelpunkt der Tátigkeit von Margit Kovács stand der Mensch. Ihr Themenkreis reichte von realistich aufgefaBten Portráts, biblischen Kompositionen von tiefer Bedeutung, práchtig charakterisierten grotesken Figuren und Genrebildern bis zu Arbeitsszenen und knappén balladenhaften Illustrationen zu Volksliedern. Reichverzierte Krüge und Schalen wechseln sich in ihrem GEuvre ab. Ihre spezifisch individuelle Kunst wurzelt in der ungarischen Tradition, berührt aber gleichzeitig allgemein menschliche Probleme. Ihre Formensprache wie ihr künstlerisches Glaubensbekenntnis gehen auf die Doppeldeutigkeit des Jugendstils der Jahrhundertwende zurück, der eine Epoche abschlieBt und eine neue eröffnet. Die Künstlerin wurde 1902, in der Blütezeit des Jugendstils, in Győr, einem westungarischen Stádtchen mit historischen Erinnerungen, geboren. Ihre Kinderjahre fielen mit dem Ende der Herrschaft Kaiser Franz Josephs und der österreichisch-ungarischen Monarchie zusammen. Ungarn begann sich in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts rasch zu entwickeln. Das neu erstarkte Bürgertum unternahm alle Anstrengungen, um seinen Rückstand in der kapitalistichen Entwicklung gegenüber anderen europáischen Staaten aufzuholen, und in einer Atmospháre von Liberalismus und Kosmopolitismus gediehen die Wirtschaft und das Geistesleben gleichermaBen. Wáhrend der unruhigen Zeit um die Jahrhundertwende bestanden in der ungarischen Gesellschaft groBe Gegensátze, aus deren Spannungen das zwanzigste Jahrhundert hervorging. Die Anzeichen der wissenschaftlich-technischen Revolution, die stürmische industrielle Entwicklung, die die Klassenstruktur der Gesellschaft von Grund auf veránderte, das Entstehen der GroBstádte und das immer rascher pulsierende Leben sprengten die Schranken des Althergebrachten. Der Liberalismus forderte die uneingeschránkte Freiheit des Individuums: Das Individuum verlangt nach Freiheit, um eine neue Kunst zu schaffen, die der Zeit und dem Volk entspricht, aus dessen Kreise sie hervorgegangen ist.. Das neue Kunstbestreben, der Jugendstil, überflutete ganz Európa und erfaBte auch Ungarn.'W/áJdurchdrang das gesamte Kulturleben, beeinfluBte die Ausdrucksmittel aller Künste und auch die verschiedenen Kunstanschauungen. Im Kampf zwischen Fortschritt und Zopf' - schreibt der gröBte ungarische Dichter jener Zeit, Endre Ady - habe der Jugendstil einen entscheidenden EinfluB auf Geschmack und Kunstentwicklung ausgeübt. Er sei ein gigantischer Versuch, einen universalen, alles umfassenden Zeitstil herauszubilden, dem erst der erste Weltkrieg ein Ende gesetzt habe. Was bedeutete nun diese stark vom Kunstgewerbe beeinfluBte Stilströmung für das östliche Mitteleuropa, im besonderen für Ungarn? Lajos Németh schreibt: AuBer der Suche nach der groBen Kunst, dem groBen Stil, einen im bengalischen Lichte der Millenniumsfeier stark national gefarbten, in erster Linie ornamentalen Stil, in dem trotz kosmopolitischen Ursprungs Verzierung und Konstruktion geschnitzter siebenbürgischer Hoftore, erotische Romantik, Todessehnsucht und Mystizismus, kommerzielle Verbrauchssezession, mystisch gefárbte Stilnostalgie der oppositionellen groBen Meister und den Stil der sozialen Wirklichkeit tatsáchlich treífende industrielle Ásthetik, die kunsttheoretischen Schriften Ruskins und Oscar Wildes, Nietzsche und die Untergrundbahn, die Bauten Ödön Lechners, das Gebáude des Kunstgewerbemuseums und der Postsparkasse, die Majolika von Zsolnay und Álmos Jaschik ihren Platz fanden."2 Was mochte von alledem die in ihrer stillen westungarischen Kleinstadt aufwachsende Margit Kovács gesehen und erfaBt habén? Wohl eher die alltáglichen Sorgen, Schwierigkeiten und einfachen Freuden kleiner Leute, hauptsáchlich aber die Not, den Kampf gegen ein hartes Schicksal. Nach dem frühen Tode ihres Vaters, der Professor war, lernte sie an der Seite ihrer Mutter, der Leiterin eines Knabeninternats, bereits in jungen Jahren materielle Sorgen kennen. Margit Kovács zeigte bald künstlerisches Talent. Alles regte ihre Phantasie an. In ihrer Erinnerung speicherte sie die bunten Bilder der Dorfbewohner: schwere Bündel schleppende Báuerinnen, mit Vieh beladene Leiterwagen, Marktgetümmel, Marktfrauen inmitten bunter Obst- und Gemüseberge und hinter Fischstánden. In reiferen Jahren erweckte sie alle diese Erinnerungen in ihren künstlerischen Werken zu Symbolen ewigen Lebens. Sie zeichnete viel, versuchte ihre Erlebnisse in Linien auszudrücken. In der StraBe, in der sie ihre Kinderjahre verbrachte, wohnte auch ein Ofensetzer, dem das sich entfaltende Formgefühl des Kindes aufíiel und der sie mit dem Ton - dem Grundstoff ihres spáteren Berufes - bekannt machte. Nach dem Abitur muBte sie sich nach einem Brot-