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DIE MADONNA IN DER MALEREI VON LINUS BIRCHLER ""l-"V ^^ IE nachfolgende Auswahl von Madonnenbildern bezieht sich, wie vor allém aus der thematischen Ein teilung hervorgeht, auf einen dichterisch beschwingten und erbaulich ^gerichteten Text, den für die französische Originalausgabe der Dichter Henri Ghéon geschrieben hat. Auswahl und Einteilung der Tafeln war alsó für den Schreibenden ^^ gegeben. Der Kunstwissenschafter wird es bedauern, dass nicht auch plastische Werke einbezogen wurden, von den Madonnen Pisanos bis zu den drei Pietágruppen Michelangelos, von byzantinischen Elfenbeinreliefs über gotische Vesperbilder bis zu den süssen und doch urgesunden Muttergottesfiguren des deutschen Barock. Mit gutem Grundé hat man allbekannte Bilder wie die meisten Madonnen Raffaels, Guido Renisoder Sassoferratos weggelassen. Aus Rücksicht auf die thematische Einteilung kam auch das Thema der Sacra conversazione (Maria im Mittelpunkt von Heihgen) in Wegfall. Mit Ausnahme der Tafeln 20, 29, 63, 79, 80, 89, 97 und 98 werden solche Mariendarstellungen (ganz oder in Ausschnitten) wiedergegeben, die durchaus schön sein wollen, die sich ebensosehr (und oft noch mehr) an den Schönheitssinn wie an das rehgiöse Empfinden des nachdenkhchen Betrachters wenden. Zeitlich vor den Bildern, die hier erscheinen,liegt eine tausendjáhrige Entwicklung der eigentlichen Kultbilder der Theotokos, der Gottesgebarerin; von diesen muss hier zuerst etwas ausführlich die Rede sein. Keine der nachfolgenden Darstellungen ist beim glaubigen Volke zum Kultbilde geworden, zum Gnadenbilde, zur wunderwirkenden Ikoné. Wie rührend oder wie lieblich auch das Antlitz und die Gestalt der Gottesmutter von den abendlandischen Malern seit i3oo erschaut wurde, - das Volk wendet sich in seinen Nöten nicht zu diesen Bildern, um mit ihrer Hilfe die himmlische Fürbitterin zu erreichen. Keine der schönen, zarten Florentinerinnen, keine der stolzen Römerinnen oder deutschen Patrizierfrauen, die die Maler idealisiert als Maria gestalteten, in bethlehemitische Stallruinen oder in den bürgerlichen Prunk von Herrenhausern hineinsetzten, wurde für das betende Volk zur Thaumaturga, zur Wundertáterin. Diese Auszeichnung flel auf byzantinische Ikonén, auf romanische und gotische Holzstatuen, deren Form man zudem im Barock hinter starren, abstrakten Gewándern verhüllte. Am Anfang der christlichen Kunst steht Maria. Im frühen zweiten Jahrhundert, als man Christus den Herrn nur unter dem Sinnbild des Fischers oder des Hirten darzustellen wagte, entstand in der Priscilla-Katakombe das berühmte Arkosolbild, die erste Darstellung der Mutter Gottes; es zeigt Maria, die den Jesusknaben stillt, alsó bei der Erfüllung der hehrsten Mutterpílicht. Die Auffassung ist durchaus einfühlend, durchaus in jenem Geiste gehalten, in dem spater die Renaissance malte. Die sitzende Gestalt wird vom Maler frisch modelliert, malerisch, ohne harte Umrisse; das Jesusknablein ist ein richtiges, quicklebendiges Römerkind. Maria trágt einen Schleier. Die Darstellung erinnert an die antiker Heroinen; das Motiv selber mag mit Isis-Darstellungen (mit dem trinkenden Horusknaben) zusammenhángen, ware alsó alexandrinisch. Der Katakombenmaler hat das Thema ganz antikisch behandelt, so wie überhaupt die gesamte Katakomben-