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»Gute Nacht, Miß«, sagte der Polizist, als ich die Treppe herunterkam, und »Gute Nacht« gab ich zur Antwort. Dabei war ich neugierig, ob er ebenso freundlich gegrüßt hätte, wenn er gewußt hätte, was in dieser Diplomatentasche war.
Aber er wußte es nicht, und ich nahm mir ein Taxi nach Hause. Das war unnütze Verschwendung, weil man es bequem mit dem Bus schaffen konnte. Doch es war ein besonderer Tag, und manchmal muß man nobel sein. Ich bezahlte das Taxi am Ende der Straße, ging zu Fuß zu meiner Zweizimmerwohnung und schloß auf. Den Leuten mochte ich einsam erscheinen, weil ich beinahe immer allein war, aber ich fand es nie einsam. Ich hatte stets genug zu überlegen. Außerdem verstehe ich mich vielleicht auch nicht so gut auf die Menschen.
Als ich eintrat, nahm ich den Mantel ab, schüttelte mein Haar und kämmte mich vor dem Spiegel. Dann goß ich mir zur Feier des Tages einen Halb und Halb aus Gin und Kognak ein. Während ich trank, sah ich mir die Abfahrtzeiten einiger Züge an und leerte ein paar kleine Schubfächer. Dann nahm ich ein Bad, mein zweites an diesem Tag. Irgendwie half es einem immer, wenn man etwas loswerden wollte.
Ich saß noch drin, als das Telefon ging. Ich ließ es ein bißchen läuten, kletterte dann aus dem warmen Wasser, band mir ein Handtuch um und trottete ins Wohnzimmer.
»Marion?«
»Ja?«
»Hier ist Ronnie.«
Ich hätt's mir denken können. »Oh, hallo.«
»Müßte das nicht ein bißchen begeisterter klingen?«
»Nun, es kommt mir etwas ungelegen, mein Lieber. Ich war gerade im Bad.«
»Welch köstlicher Gedanke, Wie schade, daß es kein Fernsehen ist!«
Na, ich glaube, das war bei Ronnie zu erwarten.
5
»Willst du noch immer morgen auf eigene Faust weg?« fragte er.
»Aber Ronnie, das hab' ich dir wenigstens sechsmal gesagt.«
»Du bist ein komisches Mädchen. Triffst du dich mit einem anderen?«
»Nein, natürlich nicht. Ich hab's dir doch erzählt. Ich verbringe das Wochenende bei meiner Schulfreundin in Swindon.«
»Dann darf ich dich hinfahren?«
»Lieber Ronnie, verstehst du denn nicht? Wir wollen keinen Mann dabei. Wir wollen nur zusammen über alte Zeiten klatschen. Ich habe nicht oft Gelegenheit, das Mädchen zu sehen.«
»Du wirst in deinem Büro zu sehr ausgenutzt. Ich besuche den alten Pringle mal. Aber im Ernst «
»Im Ernst was?«
»Willst du mir nicht deine Telefonnummer geben?«
»Ich glaube, meine Freundin hat kein Telefon. Aber ich versuche dich anzurufen.«
»Versprich es. Morgen abend.«
»Das kann ich nicht. Ich weiß nicht genau, wo der nächste Apparat ist. Aber ich verspreche dir, daß ich's versuche.«
»Um wieviel Uhr? Gegen neun?«
»Ronnie, ich fang' bereits an zu zittern. Auf dem Teppich, da, wo ich stehe, ist schon ein scheußlicher Wasserfleck.«
Er klammerte sich dennoch an wie ein Höker auf dem Jahrmarkt und zog den Abschied soweit wie möglich in die Länge. Als ich den Hörer auflegen konnte, war ich fast trocken, und das Wasser war kalt geworden. So puderte ich mich mit Talkum und begann mich anzukleiden.
Alles, was ich anzog, war neu: Büstenhalter, Höschen, Schuhe, Nylons, Kleid. Es war nicht nur Vorsicht, ich hatte es schätzengelernt. Vermutlich bin ich ein bißchen komisch oder sonst was, aber bei mir muß jedes Ding seine Ordnung haben. Ich hab' es gern, wenn es mit den Menschen genauso ist. Deshalb sähe ich die Affäre Ronnie Oliver nur zu gern hinter mich gebracht. Diese Menschen ja, sie wollen einfach nicht abgehängt und abgelegt werden, das ist der Fehler bei ihnen. Sie laufen über wie ein volles Glas und durchkreuzen einem die Pläne - nicht weil man sich selbst verrechnete, sondern weil sie es tun. Ronnie glaubte natürlich, mich zu lieben. Große Leidenschaft. Wir hatten uns nur ein dutzendmal getroffen, weil ich ihn immer wieder hingehalten und ihm erzählt hatte, ich