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Martin Luther war auf dem Weg von Mansfeld nach Erfurt. Seit er dort an der Universität studierte, hatte er diese Strecke, für die man etwa zwei bis drei Tage benötigte, schon wiederholt zurückgelegt. Diesmal würde er es in zwei knappen Tagesmärschen schaffen, trotz der drückenden Hitze, die in diesen ersten Julitagen des Jahres 1505 auf dem Land lastete. Dabei hatte er es gar nicht eilig, auf die Universität nach Erfurt zurückzukehren. Im Gegenteil. Am liebsten wäre er wieder umgekehrt. Ein beklemmendes Gefühl stieg in ihm auf, je mehr er sich seinem Ziel näherte, und das lag nicht nur an der Schwüle dieses Sommertages.
Der Besuch bei den Eltern in Mansfeld war nicht ganz so verlaufen, wie er es sich im Geheimen erhofft hatte. Zwar konnte er dem Vater berichten, daß er bereits den Titel eines Magisters der schönen Künste erworben und inzwischen auch schon mit Vorlesungen über Rechtskunde begonnen hatte. Darüber war der alte Luther so erfreut gewesen, und es erfüllte ihn mit solchem Stolz, daß er den Sohn ehrfürchtig mit „Ihr"' anredete. Als Martin jedoch anzudeuten wagte, daß ihm unterdessen Zweifel gekommen seien, ob er die richtige Fakultät gewählt habe, da war der Vater gleich zornig aufgefahren. Was denn? Sein Sohn sollte ein Rechtsgelehrter werden und es auf diese Weise zu etwas bringen. Das war längst beschlossen und dafür hätte man auch lange genug gespart. Wollte er sich etwa der Theologie zuwenden? Das