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Herbert Mochalski
Martin Niemöller - in der Verantwortung für die Menschen
Am 14. Januar 1982 vollendet Martin Niemöller sein 90. Lebensjahr, Zeuge unsres Jahrhunderts wie kaum ein anderer: Kaiserreich, 1. Weltkrieg, Weimarer Republik, »Drittes Reich«, Konzentrationslager 1938-1945, Nachkriegszeit mit Wiederaufrüstung und Kaltem Krieg, mit zwei deutschen Staaten, atomare Hochrüstung mit der Bedrohung jeglichen Lebens auf unserem Planeten. Der Bogen seines bewußten Mitlebens, des Erlebens, des Miterleidens und Mitleidens, des Kämpfens und des Wachsens an Erkenntnissen, die ihren Niederschlag im konkreten Handeln finden, umspannt mehr als acht Jahrzehnte unsres Jahrhunderts.
Als dieses Buch geplant wurde, hat keiner der Initiatoren vorgehabt, Martin Niemöller in einem Rückblick sozusagen zu würdigen. Das entspricht nicht einem Manne, dem es immer um das Heute geht, um das, was jetzt zu sagen und zu tun ist, und der bei allen Ereignissen, zunehmend von Jahrzehnt zu Jahrzehnt, Antwort auf die eine Frage sucht: Was würde Jesus dazu sagen?
Martin Niemöller ist kein »poHtischer« Mensch und wollte nie ein »Politiker« sein. In die Politik ist er als ein Zeuge seines Herrn geraten, als Zeuge, dem es um die Nachfolge Jesu, dem es um den Gehorsam gegenüber der Botschaft Jesu geht: »Wir kennen keinen anderen Herrn als Christus - der wird euch in alle Wahrheit leiten.«
Thomas Mann hat in seinem Vorwort zur englischen Ausgabe der letzten Predigten Niemöllers vor dessen Verhaftung 1941 beschrieben, was einen Prediger des Evangeliums nolens volens zu einer politischen Figur macht: