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Die Dreizeiirijähnge, zart und strebend wie ein Halm, die auf dem schmalen Pfade durch die Wiese ging, sah aus wie ein Wesen aus dem roten Märchenbuch, in dem sie las. Das Gesicht, weich eingerahmt von rötlichblondem Haar, war weißer als das grobe Leinenhemd, aus dessen Bund das Hälschen stengelhaft emporstieg. Der Mund war blaß. Aber die Sonnenpünktchen unter den felsgrauen Augen versprachen, daß diese Lippen einstens die Farbe des Lebens haben würden.
Noch unberührt vom Leben, schritt sie träumend auf den Tannenwald zu, bis zu den Hüften im Grase, leicht geneigt die hohe Unschuldsstirn, die nichts und alles wußte. Wo der Pfad, breiter geworden, den Bach erreichte, blieb sie stehen im wispernden Blumentumult und betrachtete aufmerksam die braune, lange, nasse Schnecke, die mit ihrem ganzen Hab und Gut auf dem Rücken mühsam auswanderte über den Staub auf die andere Seite der Welt.
Mathilde, den Tieren näher als den Menschen und mitfühlend stets bemüht, sie zu schützen vor den blinden Gewalten, prüfte an der Richtung der strotzenden Fühler gewissenhaft, wohin das nasse Leben wollte, und trug die Verirrte hinüber ins Gras.
„Jetzt glaubt sie gewiß, ein Wunder sei geschehen."
Aber die Schnecke machte sich einfach wieder lang und setzte, als wären Luftreisen für sie etwas Alltägliches, ihren Weg ohne Aufenthalt fort, unbeirrt hinweg über Gräsergestänge und unter Blumenbrückenbogen durch, hinterlassend ihre Spur, die in der Sonne glänzte.
Die Stimme eines Bauern, der mit seinen Tieren sprach, schien fernher aus dem blauen Himmel zu kommen, an dem die Lerche hing, ein singender Morgenstern.
Fröhlich ging Mathilde den vertrauten Weg der Kind-