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Heinrich Schwamborn - Maurice Utrillo [antikvár]
 
HEINRICH SCHWAMBORN Maurice Utrillo Wie bei kaum einem anderen Künstler sind bei Utrillo Leben und Werk ineinander verwoben; das Leben ist zudem so von Legende überwuchert, daß es ofl schwer ist, Dichtung und Wahrheit voneinander zu scheiden. Utrillo selbst hat mehrmals gesagt, er sei am Weihnachtstage geboren, darum liebe er auch den Schnee. Genau gesagt, kommt er in der Nacht zum 26. Dezember 1883 als unehelicher Sohn der Marie-Clémentine, genannt Suzanne Valadon, auf dem Montmartre zur Welt. Er trägt zunächst den Familiennamen...
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HEINRICH SCHWAMBORN Maurice Utrillo Wie bei kaum einem anderen Künstler sind bei Utrillo Leben und Werk ineinander verwoben; das Leben ist zudem so von Legende überwuchert, daß es ofl schwer ist, Dichtung und Wahrheit voneinander zu scheiden. Utrillo selbst hat mehrmals gesagt, er sei am Weihnachtstage geboren, darum liebe er auch den Schnee. Genau gesagt, kommt er in der Nacht zum 26. Dezember 1883 als unehelicher Sohn der Marie-Clémentine, genannt Suzanne Valadon, auf dem Montmartre zur Welt. Er trägt zunächst den Familiennamen der Mutter. Sein angeblicher Vater, der dem Alkohol verfallene Maler-Bohémien Boissy, spielt in seinem Leben -weiter keine Rolle; nur einmal hat die Mutter ihm den Mann, den sie als ihren Troubadour bezeichnete, von weitem gezeigt. Suzanne selbst stammt aus Bessine-sur-Gartempe, einem Dorf im Limousin, dem wohl ärmsten und verlassensten Departement Frankreichs im nördlichen Zentralmassiv. Ihre Mutter ist Wäscherin, der Vater sitzt im Gefängnis. Da nehmen Mutter und Tochter die Gelegenheit wahr, wie schon so viele Hunderte vor ihnen, dem unwirtlichen Lande den Rücken zu kehren. Der unwiderstehliche Magnet Paris zieht sie an. Hier versucht sich Marie-Clémentine zunächst als Lehrmädchen in der Näherei; aber es langweilt sie. Darauf wird sie Verkäuferin in den Markthallen; auch das gefällt ihr nidjt. Daß sie als Trapezkünstlerin im Zirkus aufgetreten sei — man findet sogar immer wieder den Namen des Zirkus genannt —, dürfte doch wohl eine nachträgliche Erfindung dieser lebenshungrigen und phantasievollen Frau sein. Entscheidend für sie wurde ein anderer Umstand. Ihr Stern oder Unstern — wie so ofl im Leben ist auch hier beides dasselbe — führte sie auf den damals noch halb ländlidren, aber liebenswürdig und fast gefährlich verlotterten Montmartre und in das Milieu der Maler. Ihre erste Bekanntschaft mit det Malerei machte sie durch den alten Puvis de Chavanne, dem sie die — von eigener Hand oder auch von ihrer Mutter gewaschene — Wäsche zutrug. Bald diente sie als Modell für Degas, Toulouse-Lautrec und Renoir. Degas entdeckte ihre zeichnerische Begabung und ermunterte sie zu eigenen Versuchen. Er hatte den Erfolg, die »schreckliche Suzanne", wie er sie nannte, sich in kurzer Zeit zu einer bedeutenden Malerin entwickeln zu sehen. Doch was ist mit dem kleinen Maurice? Er ist ein Beladener, ein Gezeichneter von Jugend auf. Noch nicht 17jährig, hat ihn die Mutter zur Welt gebracht, und sie hat wenig Zeit, wohl auch wenig Lust, sich um ihn zu kümmern. Wird er nicht auf die Straße geschickt, so bleibt er der Obhut der Großmutter anvertraut. Auf vielen Bildern hat Suzanne später die beiden festgehalten. Eins vor allem, das farblich und kompositorisch besonders reizvoll ist, zeigt die Großmutter fast würdevoll im Sessel sitzend, einen kleinen Hund zur Seite. Maurice, den Arm aufgelehnt, steht hinter ihr und blickt verträumt und wie abwesend auf den Beschauer. Unter der malerischen Delikatesse dieses Bildes würde nichts mehr an das graue Elend vergangener Zeiten erinnern, wäre nicht das mit der Schonungslosigkeit eines Otto Dix enthüllte, von Runzeln zerfurchte Gesicht der alten Frau. Als Kind ist Maurice schmal, kränklich, von versonnenem, verschlossenem, }a manchmal verstocktem Wesen. Als er acht Jahre alt ist, im Jahre 1891, geschieht etwas Seltsames. Ein Freund der Mutter — oder ist er wirklich nur ein Freund ihres Freundes und nachmaligen Mannest — der spanische Kritiker und Maler Miguel Utrillo y Molins, erkennt den Jungen auf der Mairie seines Arrondissements offiziell als seinen Sohn an und gibt ihm seinen Namen. Was den Mann, den Utrillos erster Biograph Tabarant pathetisch eine »der sympathischsten Erscheinungen des zeitgenössischen Spaniens« nennt, zu dieser Tat veranlaßt hat, ob es wirklich pure Hochherzigkeit und Mitleid mit der »Verzweiflung der jungen Fraw gewesen ist, wird sich eindeutig kaum je entscheiden lassen. Auch dieser neue Vater spielt im Leben des Jungen kaum noch eine Rolle, es sei denn im Unterbewußten.

Termékadatok

Cím: Maurice Utrillo [antikvár]
Szerző: Heinrich Schwamborn
Kiadó: Fratelli Fabbri Editori
Kötés: Ragasztott papírkötés
Méret: 270 mm x 250 mm
Heinrich Schwamborn művei
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