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Argentinische Stücke
Mauricio Kagel begann als iSjähriger zu komponieren. In den Stücken, die er damals schrieb, ist manches von dem, was er später realisierte, keimhaft angelegt. 1950 entstanden die >Palimpsestos< für gemischten Chor a cappella. Hier komponierte Kagel verschiedene Gedichte von F. G. Lorca. Er wählte Fragmente aus dessen >Poeta en Nueva York< aus, gestaltete sie musikalisch so, daß er die Worte weit auseinanderzog. Solche deformierten Sprachverläufe ließ er in Überlagerung gleichzeitig ablaufen. Wie in Palimpsesten mehrere Schichten von Beschriftung übereinanderliegen, ohne daß auch nur eine davon so recht lesbar wäre, so ist es hier mit den Texten. Die Polyphonie selbständiger Sprachverläufe ermöglicht Mehrschichtigkeit von Sprache selbst. Die Texte stören einander, gehen aber auch unverhoffte Verbindungen ein, und das Ganze läßt einen neuen Verlauf entstehen. Derartige Sprachkomposition wurde nachher in >Anagrama< weiterentwickelt.
1950-52 komponierte Kagel >Dos piezas< para orquesta und >Variaciones< para quarteto mixto (Flöte, Klarinette, Geige und Violoncello) - sein erstes in Zwölftontechnik geschriebenes Werk. 1953 entstand die Urfassung des Sexteto de cuerdas, das eigentliche Opus i von Kagel, mit dessen revidierter Version er 1957 in Europa die ersten Erfolge errang. In der gleichen Zeit begann der Komponist mit elektronischen Experimenten: er arbeitete mit aufgenommenen Klängen, so daß er diese Kompositionsversuche später, als die Informationen aus Europa eintrafen, als musique concrete bezeichnen mußte. Die wesentlichen Resultate dieser Manipulationen und sonstigen Deformationen des Klangstoffs wurden in einer music out-of-doors zusammengefaßt. Diese >Musica para la torre<, zu deutsch Turmmusik, entstand durch verschiedene Kombinationen von konkreten Geräuschen und denaturierten Instrumentalklängen, die im Raum durch Lautstärke - und Klangbewegungen artikuliert wurden. (Collage 3/4, Palermo 1964, S. 42). An Klängen verarbeitete Kagel Aufnahmen von Schallplatten und von Tonbandmaschinen, welche noch Drähte statt Bänder hatten. Als musique concrete dienten Aufnahmen von Maschinengeräuschen, auch von Klängen elektrischer Apparaturen, außerdem verformte Instrumentalklänge. Die Wiedergabe der Tonbänder erfolgte über Lautsprecher, die an einem 40 m hohen Stahlturm befestigt waren. Dieser wurde anläßlich der Feria de America in Mendoza errichtet (Entwurf von dem Architekten Cesar Janello). Gleichzeitig mit der Musik lief ein Lichtspiel ab, das ebenfalls nach musikalischen Gesichtspunkten komponiert war. Zwölf riesige Tetraeder am Turm montiert, wurden quasi polyphon in crescendi und diminuendi beleuchtet, als ob es sich